

Oswald
von Wolkenstein (1377 bis 1445), der »letzte Minnesänger«, einer
der wichtigsten Dichter und Musiker des deutschen Kulturraumes, war kein Berufsmusiker:
Er war (Raub-)Ritter, Kaufmann, Diplomat, Pilger, Politiker, Ministraler,
Gotteshauptmann, Landwirt und Rinderzüchter, sprach Recht und brach es
selbst am laufenden Band, kam als kaiserlicher Gesandter bis nach Ungarn und
Georgien und wurde zusammen mit dem Fürst der Walachei 1531 von Kaiser
Sigismund II. in den Drachenorden aufgenommen (vom Sohn jenes Vlad II. Dracul, Vlad
III. Tepes Draculea, hat sich später Bram
Stoker den Namen »Dracula«
entliehen).
Oswald lebte mal in Saus und Braus, oft aber auch in Armut, saß im Kerker und wurde gefoltert – ein pralles Leben, in dem er sich einen gewaltigen Ruf schuf, nicht zuletzt als Hurenbock und Saufkumpan. Umso interessanter, dass er neben Trinkliedern und sexuell sehr anzüglichen Texten mit die interessantesten, zartesten und romantischsten Liebeslieder deutscher (in seinem Fall Tiroler) Zunge schuf, die in drei Liederbüchern überliefert sind.
Von Oswald sind uns mehr Bildnisse überliefert als von den meisten anderen Dichtern des Mittelalters, das berühmteste, »Oswald von Wolkenstein als Ritter und königlicher Rat«, ist das hier abgebildete repräsentative Porträt: das Vorsatzblatt in der Innsbrucker Liederhandschrift von 1431/32; Oswald war damals etwa 55 Jahre alt. Der Künstler war wahrscheinlich der berühmte Italiener Antonio Pisano, genannt Pisanello, evtl. aber auch einer seiner Schüler. Oswald trägt hier alle Zeichen seiner Würde und Macht, insbesondere alle Orden: den Drachenorden mit Kreuz (erhalten 1431) und Kanne und Greif des Ordens »von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen« (erhalten 1415), wobei der Greif sogar vollständig vergoldet ist, ein Zeichen für ruhmreiche Heldentaten (mehr Informationen zu den Bildnissen von Oswald).
Zu unserem Repertoire gehören zahlreiche Lieder von Oswald von Wolkenstein, darunter:
1) |
Enthalten im Notenheft
»Liebe und Tod« |
| 2) | Zu sehen und zu hören ganz oder in Auszügen
auf dem Video »Conventus Tandaradey«
Musik und Tanz aus Mittelalter, Renaissance und frühem Barock, von der dunklen Seite des Lebens, von Liebe und Tod Saarbrücken 2000, ISBN 978-3-932683-95-4, 175 Minuten, leider nicht mehr lieferbar |