Sachbücher, Ratgeber,
Kalender, Lexika und Atlanten
Kalender 2000: Wir empfehlen FOLIENKALENDER von Hannesschläger!
Für mich sind seit Jehren die schönsten Wandkalender,
die ich kenne, die Folienkalender vom Hannesschläger-Verlag, deren
Folien man anschließend ans Fenster oder vor Lampen hängen kann.
Besonders gefallen mir in diesem Jahr die Kalender Traumlandschaften.
(67 x 46 cm, 65,– DM), Phantastische Wirklichkeit (Mikrofotografie,
41 x 57 cm, 56,– DM) und Unendliches Weltall (31 x 39 cm,
38,– DM). Sehr praktisch ist der Dreimonats-Timer Multi-Planer,
natürlich ebenfalls mit Folien (34 x 68 cm, 23,– DM). Der Verlag bietet
noch viele andere Kalender, außerdem auch Karten, Poster und vieles
mehr bis hin zu Wechselrahmen, Wand- und Tischleuchten, um die Folien auf
Dauer genießen zu können. Ich empfehle, sich den Katalog
zu bestellen (Verlag J. Hannesschläger, Postfach 12 52, 86345
Neusäß).
A-Z 1998/99: die Adressen von Handwerkern
und Gauklern, Spielleuten und Rittergruppen, von Veranstaltern und Veranstaltungsorten
- Karfunkel-Verlag, Wald-Michelbach, 1998, 39,00 DM
EIm zweiten Jahr erscheint es nun, das A-Z der Mittelalterszene,
und man kann sagen, dass der Verlag der Zeitschrift KARFUNKEL.
damit ein fast unverzichtbares Handwerkszeig geschaffen hat für alle,
die an Veranstaltungen in diesem Bereich teilnehmen oder solche selber
veranstalten wollen. Soweit mir das nachprüfbar ist, ist das handliche
und gut verarbeitete Büchlein sauber recherchiert und kann nur rundum
empfohlen werden.
Kochen wie die alten Römer –
200 Rezepte nach Apicius, für die heutige Küche umgesetzt von
Hans-Peter von Peschke und Werner Feldmann; Artemis & Winkler, geb.,
288 S.
Die Rezeptsammlung von Marcus Gavius Apicius gehört
seit fast 2000 Jahren zu den Grundlagen abendländischer Kochkunst.
Allerdings sind viele Zutaten heute kaum oder schwer zu beschaffen, auch
fehlen verläßliche Maßangaben. In diesem Buch gibt es
neben den modernen Rezepten die Originalfassung, eine Einleitung und umfangreiche
Hintergrundinformationen. Für Leute, die auch in der Küche das
Abenteuer nicht scheuen! (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)
Jorge Luis Borges (mit Margarita Guerrero):
Einhorn, Sphinx und Salamander, Fischer Taschenbuch, 224 S., 16,90 DM
Wer Kunst verstehen will, muss auch ihre Mythen kennen,
ihre Monster und Fabelwesen. Jorge Luis Borges (1899 – 1986), dem Umberto
Eco im »Namen der Rose« ein literarisches Denkmal gesetzt hat,
hat selbst viel Phantastisches geschrieben. Sein »Buch der imaginären
Wesen« hat Fischer jetzt als Band 8 der Taschenbuchausgabe in 20
Bänden vorgelegt: ein ausgesprochen nützliches – und amüsantes
– Werk nicht nur für Leute, die sich mit mittelalterlicher Kunst,
mit Literatur oder auch mit Fantasy-Rollenspielen beschäftigen. (Saarbrücker
Studentenzeitung 12/1992)
Bürger, Wolfgang: Der paradoxe Eierkocher – Physikalische
Spielereien aus Professor Bürgers Kabinett; Birkhäuser, geb.,
222 S.
In »bild der wissenschaft« stellt Prof. Bürger,
Ordinarius für Mechanik in Karlsruhe, immer wieder physikalische Spielereien
vor. Interessante Beiträge aus dieser Kolummne sind hier versammelt.
Vom Eierwettlauf über die Lupe nur aus Alufolie bis zum selbstgebauten
Heißluftballon oder praktischen Tips wie dem richtigen Umgang mit
Korkenziehern und Gartenschläuchen reicht das Spektrum; zunächst
umgangssprachlich erklärt und schließlich mathematisch aufgedröselt.
So ist für alle was dabei, für die Praktiker wie die Theoretiker.
Humphrey Carpenter: »J.R.R.Tolkien – Eine Biographie«,
dtv 11526, 328 Seiten, DM 16,80 – siehe »Das
Tolkien-Lesebuch«
Eco, Umberto: Die Grenzen der Interpretation, dtv, 478 S.,
26,90 DM
Umberto Eco ist nicht nur einer der erfolgreichsten Romanschriftsteller
der letzten Jahre, er ist auch auf seinem Fachgebiet, der Semiotik, einer
der herausragenden Wissenschaftler. In seinem in Italien 1990 erschienenen
Buch über Interpretation setzt er sich auseinander mit dem Spannungsverhältnis
zwischen Autorintention und Textintention, vor allem aber dem zwischen
Text und Interpreten. In Abgrenzung von verschiedenen Formen von Interpretationsskeptizismus,
-anarchismus und –nihilismus zeigt er anhand plausibler Beispielanalysen,
dass nicht jede beliebige Interpretationshypothese berechtigt ist.
Das Buch ist – natürlich – schwer zu lesen – schließlich geht
es Eco nach eigenem Bekunden »nur darum, dass die Dinge nicht
so einfach sind«. Doch ist das Buch trotz seiner Wissenschaftlichkeit
nicht nur für Fachleute interessant; das Durcharbeiten kann für
jeden, der mit Literatur und deren Interpretation zu tun hat, lohnend sein.
Richard Ellis: Mensch und Wal, Droemer-Knaur, 23,0 x 28,5
cm, 478 S., geb., DM 78,00
»Die Geschichte eines ungleichen Kampfes«, erzählt
Richard Ellis in seinem großformatigen Werk »Mensch und Wal«
mit zahlreichen Fotos und Abbildungen. Der anerkannte Walexperte, der für
die USA von 1980 bis 1990 in der Internationalen Walfangkommission saß
und sich auch als Maler einen Namen gemacht hat, hat ein Meisterwerk vorgelegt,
in dem er den Wechselbeziehungen zwischen den Menschen und den friedfertigen
Riesen nachspürt und deren Biologie er ebenso erläutert wie die
Kultur- und Kunstgeschichte (erregend zu lesen etwa seine Darlegungen zu
»Moby Dick«), die Mythen und Legenden um, immer wieder aber
auch den Vernichtungs-, ja Ausrottungskampf des Menschen gegen die Wale.
Das ausführlichste und beste Buch über Wale, das mir je untergekommen
ist. Unbedingt zu empfehlen! (Saarländisches Kultur-Journal 3/1993)
Michael Görden, Hans Christian Meiser: Madonna trifft
Herkules. Die alltägliche Macht der Mythen. Wolfgang Krüger Verlag,
208 S., 29,80 DM
Es gibt einige Gegebenheiten in unserem Leben, über
die wir uns meist zuwenig klar sind. Dazu gehören die biologischen
Grundlagen unseres Verhaltens, dazu gehören Rituale und Mythen. Erst
wenn wir uns der Existenz dieser Einflüsse bewußt werden, können
wir damit umgehen und das, was uns daran nicht paßt, überwinden.
Bei den Mythen ist dies besonders schwer, da wir uns ihrer meist nicht
bewußt sind. Das Eingebundensein in eine Mythologie, wie es etwa
für die alten Ägypter, Griechen oder Germanen selbstverständlich
war, gibt es in unserer modernen Gesellschaft nicht mehr. Doch es gibt
immer noch und immer wieder neue Mythen, nur ist vielen von uns die Fähigkeit
abhanden gekommen, diese zu erkennen. Eine hervorragende Einführung
in dieses Thema mit vielen Beispielen, wie jede(r) einzelne von Mythen
beeinflußt wird, aber auch, wie diese wirken und be– wie mißbraucht
werden in Politik und Kultur, bietet das Buch Madonna trifft Herkules von
Michael Görden, einem ausgewiesenen Experten für Mythologie und
phantastische Literatur, der zahlreiche Bücher herausgegeben hat,
und dem Philosophen und Psychologen Hans Christian Meiser. Ziel ist es,
uns in die Lage zu versetzen, die uns beeinflußenden Mythen zu erkennen,
sich aus diesen, wenn gewünscht, zu lösen und diejenigen frei
zu wählen, in denen wir uns frei realisieren wollen. Die Allgegenwart
der Mythen erlaubt den Autoren aber auch manch amüsanten Ausflug in
die Klatschspalten und den Starkult, Insgesamt ein absolut zu empfehlendes
Buch. (Saarländisches Kultur-Journal 2/1994)
Marcus
Hammerschmidt: Instant Nirvana – Das Geschäft mit der Suche nach
dem Sinn – Aufbau-Verlag, 108 S., Berlin 1999
Der Tübinger Autor, bisher vor allem als Science-Fiction-Autor
bekannt geworden (»Der Glasmensch«, »Wind«, »Target«)
und in den letzten Jahren mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet,
legt hier einen umfangreichen Essay vor, in dem er seinem Ärger Luft
macht über die Geschäftemacherei und Verdummung, die zunehmend
mit Esoterik, Okkultismus, Spiritismus und New
Age betrieben wird. Er verwendet diese Begriffe deckungsgleich – das
ist nicht ganz richtig, aber in seiner polemischen Abhandlung durchaus
sinnvoll. Und polemisch ist Hammerschmitt erklärtermaßen, schon
zu Beginn, wenn er erklärt, Adornos »>Thesen gegen den Okkultismus<
würden die ganze Esoterik auf einen Schlag erledigen, bewegten sie
sich nicht auf einem Niveau, das kein Esoteriker je erreichen wird, ohne
einen tiefgreifenden Bewußtseinswandel durchgemacht zu haben«.
Ausgewogen will er nicht sein, nein, Hammerschmitt will zurückschlagen,
sich wehren gegen »die Zumutungen der Esoterik mit den Mitteln
des Essays«. Bei allem Sarkasmus und trotz seiner spitzen Feder,
die er geschickt zu gebrauchen versteht, ist dies auch ein Sachbuch, und
so erläutert er viele grundlegende Begriffe, zeigt die Fragwürdigkeit
der dahinter stehenden oder mit ihnen verbundenen Thesen, immer wieder
unterbrochen durch kurze »Wahre Geschichten«. Denen fehlt manchmal
der Witz, aber das nimmt dem Büchlein nichts von seiner Wirkung. Sicher
könnte man manches intensiver behandeln, etwa die Astrologie oder
Scientology, doch das grundlegend Wesentliche kommt vor. Hammerschmitt
scheut sich nicht, deutlich zu werden bei Themen, bei denen er weit über
den engen Kreis der Esoteriker hinaus Widerspruch ernten dürfte, und
auch darin liegt ein Verdienst seines Essays. Beispielhaft seien genannt
die Deklaration des Neoanimismus als »krankhafte Regression«
und »Selbstamputation«, die Hinweise auf soziobiologische
bzw. stammesgeschichtliche Zusammenhänge wie auf soziologisch-ökonomische
- »Esoterik als »Religion der Dienstboten« -,
die Kritik an esoterischem Feminimus wie an Buddhismus und Christentum
und schließlich das Aufzeigen der Verbindungen von Rechtsradikalismus
und Esoterik. Besonders begrüßenswert ist die sehr gründliche
Auseinandersetzung mit der Anthroposophie und den Thesen Rudolf Steiners;
wer nach diesen Zitaten noch dessen Rassismus leugnet, dem ist nicht zu
helfen. Doch ist uns überhaupt noch zu helfen? Ein Hauch von Verzweiflung
durchzieht Hammerschmitts Plädoyer für die Rationalität:
»Es
hat einen Geschmack von Wagenburgmentalität, von Verbohrtheit an sich,
gegen die zigfache Übermacht des Gegners auf Positionen zu beharren,
die kaum einen mehr interessieren. Trotzdem bleibt uns gegen die planvolle
Vermischung von Wissen und Glauben, von Phantasie und Erfahrung nur das
Beste an der wissenschaftlichen Tradition: die Skepsis.« Es ist
zu fürchten, dass dieses – bei aller Polemik und ernsten Kritik
auch sehr unterhaltsame – Büchlein nur die lesen werden, die sowieso
schon skeptisch sind. Es ist zu wünschen, dass es von möglichst
vielen andere gelesen wird, damit diese dann Hammerschmitts letzten Ratschlag
befolgen: »Sich von den Kaisern abwenden, wenn sich herausstellt,
dass sie keine Kleider tragen«.
Julius Hellmich: Maskengestaltung, Fachbuchverlag Leipzig,
228 S., 382 Abb., geb., 24 x 17 cm, 98,– DM – Ein wertvolles Buch!
Dieses Buch erschien bereits 1991, wurde mir aber leider
erst jetzt bekannt. Der Autor, geb. 1926, Friseur mit Meisterprüfung,
gelernter Maskenbildner für Theater, Film und Fernsehen sowie Theaterwissenschaftler,
arbeitete u. a. an mehreren Theatern, an der Fachschule für Angewandte
Kunst in Leipzig, an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden
und in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Akademie Dresden bei der Gestaltung
von Gesichtsplastiken für gesichtgeschädigte Menschen.
Das Buch ist einfach ein Kunstwerk. Aufmachung, Form,
Inhalt bieten eine Güteeinheit, die selten bei einem Fachbuch anzutreffen
ist. Und dabei bietet das Buch weit mehr, als sein Titel verspricht, und
das – besonders wichtig für »Noch-nicht-Experten« – in
einer verständlichen Sprache. Sei es über die »Dramaturgische
Funktion der Maske« und die Aufgabe des Maskenbildners, über
die Geschichte der Maske, über Geschichtliches, über Frisuren
und Bartformen, Arbeitsmittel und Materialien, Farbenlehre, Naturstudien,
Anatomie und physiognomische Betrachtungen für den Maskenbildner,
Maskenkonzeptionen, über Frisurengestaltung, Kaschieren und Schminken,
über alles weiß der Autor so zu berichten, dass es für
Laien und Experten gleichermaßen wertvoll ist. Nicht so sehr die
technische Perfektion einer Maske wird gezeigt, vielmehr der Zusammenhang
zwischen Darzustellendem und Maske. Ein umfangreiches Literatur-, Quellen-
und Stichwortverzeichnis runden das wertvolle Buch, das jeder Theatermacher
und jeder Theaterliebhaber sein eigen nennen sollte, ab. (Saarländisches
Kultur-Journal 4/1994)
Matthias Horx/Trendbüro: Trendwörter, Econ-Verlag,
256 S., 34,– DM
Ein Atlas durch die Welt der modernen Begriffe. Ob GenerationX,
Political Correctness oder Elektrosmog – täglich gibt es neue Wörter,
ändert sich der Slang in den unterschiedlichen Subkulturen. Dieses
Buch will und kann helfen, sich in dieser verwirrenden Sprachlandschaft
etwas zurechtzufinden. Es ist kein Duden(ersatz), sondern erläutert
auch Hintergründe, wobei es da durchaus auch mal fragwürdige
Interpretationen gibt. Es ist aber nicht nur ein Nachschlagewerk, es kann
auch einfach gelesen werden – und das macht Spaß. (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1994)
Robert Hughes: Political Correctness – oder die Kunst, sich
selbst das Denken zu verbieten; Knaur-Taschenbuch, 272 S.
Political Correctness – PC – ist ein ebenso oft gebrauchter
wie mißverstandener Begriff. Eine äußerst polemische und
witzige, oft auch satirisch-bösartige Einführung mit viel Hintergrundmaterial
liefert Robert Hughes. In drei großen Kapiteln – Kultur im zersplitterten
Staat, Multikulti und die Miesmacher, Moral an sich: Die Kunst als Therapie
– bietet er auf kleinem Raum viele Gedanken und Informationen, die einem
Schauer über den Rücken laufen lassen können. Obwohl er
sich auf die USA konzentriert – und damit einen hervorragenden Einblick
in die politische und kulturelle Situation dort liefert –, gilt das Meiste
auch für Europa und die BRD.
Klaus Jacob: Entfesselte Gewalten – Stürme, Erdbeben
und andere Naturkatastrophen; Birkhäuser, geb., 208 S.
Die UN haben dieses Jahrzehnt zum Jahrzehnt der Naturkatastrophen
erklärt, dieses Jahr wird das schlimmste seit Beginn der Statistik.
Daran ist der Mensch nicht unschuldig, und die technisierte Zivilisation
wird immer empfindlicher. In diesem informativen Sachbuch werden die Ursachen
von Naturkatastrophen, soweit bekannt, allgemeinverständlich erläutert,
auch wenn sich der Autor manchmal etwas weit ins Reich der Spekulation
vorwagt. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)
Marion Koch: Salomes Schleier – Eine andere
Kulturgeschichte des Tanzes; EVA, geb., 374 S.
Leider verspricht der Titel mehr, als das Buch hält.
Tanz wird sehr interessant unter anthropologischen, ethnologischen und
kulturgeschichtlichen Aspekten beleuchtet, doch beschränkt sich Koch
im wesentlichen auf den abendländischen Tanz und die Zeit vom Mittelalter
bis zum 19. Jahrhundert. Hexensabbat, Tod und Erotik – das sind sehr interessante
Aspekte, doch vermisse ich die Umsetzung in die heutige Zeit. So werden
weder moderne Tänze oder gar Techno noch der orientalische Tanz berücksichtigt.
Interessant nur für Spezialisten. (Saarländisches Kultur-Journal
6/1995)
Knaurs großer Schauspielführer
bietet auf fast 800 Seiten über 1000 Einzeldarstellungen
zu mehr als 200 Autoren der Weltliteratur, von Aischylos bis Tankred Dorst,
und ihren Werken. Weder Vollständigkeit wird angestrebt noch soll
ein Überblick über die Entwicklung des Theaters gegeben werden,
sondern das Buch will Orientierungshilfe sein für Theaterbesucher
im deutschsprachigen Raum; die Spielpläne der letzten Jahre waren
ein ausschlaggebendes Kriterium für die Auswahl der Stücke. Also
ist das Buch auch nicht chronologisch, sondern alphabetisch nach Autoren
aufgebaut. Eine übersichtliche Gestaltung, viele Fotos, Pressezitate
und Hintergrundinformationen und ein ausführliches Register der Stücke
machen diesen aktualisierten Schauspielführer nicht nur zu einem nützlichen
Nachschlagewerk für Theatergänger und Journalisten, sondern laden
auch zum Schmökern und Nachlesen ein. (Saarländisches Kultur-Journal
1/1995)
Ulrich von Kritter (Hrsg.): Buchillustration im 20. Jahrhundert
in Deutschland, Österreich und der Schweiz; Faber & Faber, geb.,
288 S., 40 Farb- und 150 sw-Abbildungen
Buchillustration im 20. Jahrhundert ist ein spannendes Thema,
da sich gerade in den letzten Jahrzehnten das Verständnis dessen,
was Illustrationen leisten können und sollen, sehr verändert
hat. Es scheint bei der Unmenge an Büchern, die jedes Jahr erscheint,
und an Illustrationen unmöglich, einen Überblick zu behalten,
und so gewagt wie schwierig, die interessantesten auszuwählen. Ulrich
von Kritter ist seit Jahrzehnten bekannt als Sammler und Förderer
von Buchgraphik und organisierte zahlreiche Ausstellungen. In einer sechsteiligen
Reihe will er Buchillustrationen ver-schiedener Länder vorstellen,
wobei die Nationalität der Illustratoren über die Zuordnung ent-scheidet.
Er beginnt mit Deutschland (BRD und DDR seit 1945), Österreich und
der Schweiz im 20. Jahrhundert. In sehr ansprechender Form werden zahlreiche
Bücher, die Ilustrationen und die Illustratoren vorgestellt, die Entwicklung
der letzten Jahrzehnte wird ausführlich besprochen. Zwangsläufig
ist die Auswahl willkürlich und bestimmt vom Geschmack des Herausgebers.
Aber viele der bedeutendsten Illustratoren sind vertreten, und das großformatige
Buch bietet einen hervorragenden Überblick über die verschiedenen
Stile, der mit 78 DM auch bezahlbar ist. Empfehlenswert für alle,
die an schönen Büchern und/oder Illustrationen interessiert sind!
(Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)
Beate Kuckertz (Hrsg.): »Das grüne
Schwert – Weltmacht Islam – Bedrohung oder Erlösung?«, Heyne
Sachbuch 186, München, 376 Seiten, DM 19,80
Das Bild des Islam stellt sich dem Durchschnittsbürger
bei uns derzeit höchst verworren dar: Da ist die Rede vom »Feindbild
Islam«, von »Fundamentalismus » und »Heiligem Krieg«
(z. B. »Forum 23/1991)« der IG Medien), von der »Rückständigkeit
des Islam« (z. B. Jean-Claude Barreau, FR 5.12.91), von »Fundamentalisten
auf dem Marsch auch zur weltlichen Macht« (FR 17.01.92; dort: »In
der Demokratie seien die von Menschen gemachten Gesetze von absoluter Gültigkeit.
Für den Islam stelle dies aber eine Gotteslästerung dar.«)
– aber auch von der »Lebendigkeit der Religion« und vom Islam
als »dritter Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus« (FR
17.01.1992) und davon, dass der Islam »eine gerechte und tolerante
Religion« und »seinem Wesen nach nicht aggressiv« sei
(Prof. Fritz Steppat in »Forum 23/1991)«). Wenn man an Chomeini
oder das Todesurteil gegen Salman Rushdie denkt, kann man schon Angst bekommen
– wenn man mit gläubigen Moslems spricht, kann man andererseits oft
über das Maß an Toleranz überrascht sein.
Um sich in diesem Chaos – das im Wesentlichen auf zwei
Säulen beruht: der real existierenden Variationsbreite des Islam und
unserem Unwissen – besser zurechtzufinden, ist ein Buch bestens geeignet,
das jetzt im Heyne-Verlag erschienen ist: »Das grüne Schwert
– Weltmacht Islam – Bedrohung oder Erlösung?«. 17 namhafte Autore
und Kenner des Islam wie Peter Scholl-Latour, Adel Th. Khoury, Badria Al-Awadi,
Hans Küng und John Laffin versuchen, »einen Beitrag hin zu einer
verständnisvolleren Bewertung des Islam, der Muslime und ihrer Situation
[zu] leisten... und das verzerrte Bild, das der islamische Fundamentalismus
von der gesamten islamischen Welt entstehen lässt, zu relativieren«
(Heraugeberin Beate Kuckertz im Vorwort). Ein umfangreicher Anhang mit
Karten, Glossar und Zeittafel macht dieses Buch für diesen Preis zu
einem Ereignis. Unser Tip: unbedingt besorgen! (Saarländisches Kultur-Journal
1/1992)
Paulus Johannes Lehmann: Die Kleidung
– unsere zweite Haut, Access-Verlag, 382 S., geb., DM 39.80
»Die Kleidung, unsere zweite Haut« – dies klingt
wie eine Binsenweisheit, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber
als durchaus wichtiger und richtiger Ansatz zu einer tiefschürfenden
Betrachtung über das, was wir tragen, wie wir es tragen und was wir
uns damit antun (können). Einer ausführlichen Darlegung der Geschichte
der Kleidung, der Materialien und der Herstellung lässt der Autor,
Paulus Johannes Lehmann (Landwirt, Dipl.-Agraringenieur, Fachlehrer für
Tierzucht, Journalist und Seminargestalter zum Thema Kleidungs- und Umweltfragen)
Einkaufs- und Pflegehinweise folgen. Das Buch ist sehr umfassend, hilf-
und lehrreich geschrieben; was jemanden, der solchen Dingen skeptisch gegenübersteht,
stören könnte, ist das andauernde Verweisen auf eher esoterisch
anmutende Wirkungen der Stoffe, Farben, auf Erdstrahlen usw. – doch man
kann mit dem Buch auch eine ganze Menge anfangen, wenn man an so was nicht
glaubt. (Saarländisches Kultur-Journal 3/1993)
Alexis Liebaert, Alain Maya: Die Welt der Pfeife, Heyne-Verlag,
24,0 x 28,5 cm, 216 S., 88,– DM
Wer eine gute Pfeife zu schätzen weiß, dem ist
dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen. Geschichte und Herstellung
der Pfeife, Tabaksarten und Rauchempfehlungen, Kauftips und Karrikaturen
– rund um die Pfeife ist alles Wissenswerte und viel Schönes versammelt;
ein Buch, das dem Pfeifenraucher nicht nur nützlich, sondern auch
ästhetisch viel wert sein kann. (Saarländisches Kultur-Journal
6/1994)
David Macdonald: Unter Füchsen, Knesebeck, 17,0 x 24,5
cm, 256 S., geb.
1978 legte der Wolfsforscher Erik Ziemen, der auch ein paar
Jahre in Saarbrücken an der Universität lehrte und durch seine
Wölfe im Bayerischen Wald bekannt wurde, das Standardwerk »Der
Wolf« vor, das ich jedem an Hunden Interessierten nur wärmstens
empfehlen kann. Nun hat der Knesebeck-Verlag ein Buch nach Deutschland
geholt, dass schon 1987 in Schottland erschien und eine ähnliche
Bedeutung für den Fuchs erreichen könnte – nicht umsonst hat
Ziemen das Vorwort geschrieben. Die »Oxford Fuchsbande« um
David Macdonald hat die Füchse jahrelang erforscht, und auch, wenn
klar wird, dass die Verhaltensweise von Füchsen – wie von allen
anderen Caniden – natürlich von Region zu Region variieren, weiß
dennoch, wer es gelesen hat, so ziemlich alles über Sozialverhalten
bei Füchsen, was es derzeit so zu wissen gibt. Dass das Buch
obendrein spannend und amüsant geschrieben ist, sorgt wie die vielen
Fotos dafür, dass man gar nicht so recht merkt, welche Menge
an Wissen einem da vermittelt wird. Ein Mitglied der »Oxford Fuchsbande«,
Heribert Hofer, hat übrigens Ende der 70er, als Erik Ziemen in Saarbrücken
lehrte, zusammen mit mir hier (u. a. bei Ziemen) Biologie studiert. (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1993)
Robert Mark (Hrsg.): Vom Fundament
zum Deckengewölbe – Großbauten und ihre Konstruktion von der
Antike bis zur Renaissance; Birkhäuser, geb., 254 S.
Meisterwerke der Vergangenheit beeindrucken uns wegen ihrer
Schönheit oder Monumentalität, wir bewerten sie nach stilistischen
oder formalen Kriterien, aber die technische Leistung bleibt meist außen
vor. Dieses Buch stellt die Konstruktion in den Mittelpunkt und ist äußerst
interessant nicht nur für Fachleute, sondern für alle an Geschichte
oder an schönen Bauwerken Interessierte.
Robert Matthews: Und Gott hat doch gewürfelt. Die letzten
Rätsel der Naturwissenschaften. Droemer Knaur Verlag, 392 Seiten,
44,– DM
Es gibt zahlreiche Bücher, die den Anspruch erheben,
die aktuellen Erkenntnisse der Naturwissenschaft leicht verständlich
zu vermitteln. Oft geht aber die Verständlichkeit zu Lasten der Genauigkeit
- oder umgekehrt. Robert Matthews hat nun ein Buch vorgelegt, in dem er
es schafft, einige der großen Fragen, die die Philosophen und Naturwissenschaftler
heute bewegen, in ihrer Komplexität zumindest klar und deutlich zu
erklären und auch viele der heute angenommenen Antworten plausibel
zu machen. Ein guter Einstieg in eine komplizierte Materie. (Saarländisches
Kultur-Journal 2/1994)
Desmond Morris: Der Vertrag mit den Tieren, Heyne-Verlag,
222 S., geb., DM 32,00
Desmond Morris ist ein anerkannter Zoologe und Verhaltensforscher,
der es zudem immer wieder schafft, auf unterhaltsame Weise – auch unangenehme
– Wahrheiten unters Volk zu bringen; erinnert sei hier nur an sein legendäres
Buch »Der nackte Affe«. Nun wird der immer amüsante Plauderer
und Schreiber einmal so richtig böse, und zwar zu Recht: 1990 legte
er den Entwurf vor für einen »Vertrag mit den Tieren«
– eine Charta mit 10 Geboten, die das Überleben der Tiere und mit
ihnen der Menschen sichern sollen. Zugleich erläutert er in diesem
Buch die Geschichte des Verhältnisses des Menschen zu den übrigen
Tieren und was da so alles falsch gelaufen ist und noch läuft. Ein
engagiertes, ja erbittertes Plädoyer für eine Rückbesinnung
auf und eine Rückkehr des Menschen zu einem natürlichen Gleichgewicht
zwischen Mensch und Tier. (Saarländisches Kultur-Journal 3/1993)
Ernst v. Pidde: Richard Wagners »Ring
des Nibelungen« im Licht des deutschen Strafrechts – Hoffmann und
Campe, geb. mit Schutzumschlag, 108 S.
Ernst v. Pidde, Wagnergegner, während der Weimarer Republik
Amtsrichter in Gifhorn, machte sich nach seiner Entlassung unter Hitler
auf höchst amüsante Weise über Wagner und dessen Werk her:
Er untersuchte es auf die enthaltenen Straftatbestände. Trotz des
konservativen Duktus ist das Büchlein angenehm zu lesen, amüsant
und witzig, nicht nur für Pro- und Anti-Wagnerianer, sondern für
Opernfreunde überhaupt – und Opernfeinde erst recht. Und die Formulierung
der Sachverhalte ließ mich manchmal schmunzelnd an Rotkäppchen-Versionen
denken.
Josef H. Reichholf: Comeback der Biber, C. H. Beck, geb.,
232 S.
Josef H. Reichholf, von dem wir schon mehrere Bücher
empfahlen, hat jetzt ein Buch vorgelegt, in dem er das »gemeine Naturverständnis«
einmal gegen den Strich bürstet. Er zeigt an 10 ökologischen
Fallbeispielen auf, dass nicht immer das für die Natur gut sein
muss, was wir dafür halten, sondern dass man diese Einschätzung
schon den Lebewesen selber überlassen muss. Nebenbei räumt
er auf mit solchen Legenden wie der Stabilität von Biotopen oder dem
Arterhaltungstrieb und vermittelt auf anschauliche Weise moderne Erkenntnisse
der Sozio- und Evolutionsbiologie. Ein ungemein lehrreiches und zugleich
unterhaltendes Buch, das nicht nur jeder mit Natur befasste Politiker,
sondern auch und erst recht jeder Naturschützer oder Grüne lesen
sollte! (Saarbrücker Studentenzeitung 12/1992)
Thomas Reinhardt: 20 Jahre Filmfestival
MAX OPHÜLS PREIS, Movie Store Company Verlag, Sulzbach 1998, 192
Seiten, 150 Fotos, 29,90 DM
Der Titel ist ein wenig irreführend: »Erst«
19 Jahre alt war das renommierte Nachwuchsfestival Max Ophüls Preis,
als der Filmjournalist Thomas Reinhardt (Saarbrücker Zeitung) sein
Buch Ende 1998 vorstellte. Der junge, auf Film spezialisierte saarländische
Verlag und Herausgeber Frank Künzer wollten wohl aber vom doppelten
Jubiläum 1999 profitieren, wird doch nicht nur das Festival 20 Jahre,
sondern auch die Stadt Saarbrücken 1.000 Jahre alt. Für den Verkauf
mag die Rechnung aufgehen, dem Publikum hätte es genützt, hätte
man bis nach dem Jubiläumsfestival gewartet und so wirklich einen
Bericht über 20 Jahre vorlegen können.
Ansonsten jedoch ist das Buch durchaus gelungen. Man
merkt dem Autor an, dass er das Festival über viele Jahre begleitet
hat – von 1988 bis 1993 saß er sogar im Auswahlbeirat – und daher
auch viele Interna kennt. Das Buch dokumentiert Entstehung, Geschichte
und Entwicklung des Festivals mit vielen Daten, Namen und interessanten
Fotos.
Man mag bei der Bewertung der jeweiligen Jahre aus politischer
und sportlicher Sicht zu anderen Schwerpunkten neigen, aber als subjektive
Einordnung des Autors ist sie in Ordnung. Die Hintergrundinformationen
zum Festival sind substantiell und meist umfassend, auch wenn ich manches
vermisse, so den Streit, den Albrecht Stuby mit manchen politischen Äußerungen
verursachte. Auch wird mir zu oft die politische Einmütigkeit und
Unterstützung des Festivals beschworen, die so, vor allem von Seiten
der CDU, keineswegs gegeben war und ist. Dafür bezieht der Autor in
Streitfragen und zu Skandälchen (etwa zur Zensur des Filmes »Beruf
Neonazi« 1994) erfrischend deutlich Stellung.
Neben einer eher glossenartigen und immer amüsanten
Beschreibung der bis dato 19 (nicht 20, wie der Verlag weismachen will)
Festivaljahre gibt es jeweils ein paar Pressestimmen und Anekdoten. Angereichert
wird das Buch durch eine Kurzdarstellung von Leben und Werk des Namensgebers
Max Ophüls, einem Interview mit Festivalleiterin Christel Drawer und
Festival-Begründer Albrecht Stuby sowie Stellungnahmen von Presseleuten
und Filmschaffenden. Nützlich sind die Übersicht über alle
Preisträger/innen und das Personen- und Filmregister, so dass
das Buch durchaus als Nachschlagewerk zu verwenden ist.
Vor allem bietet es für alle, die das Festival mögen,
amüsante Unterhaltung. Manche der Altgedienten kann man auf den Fotos
kaum wiedererkennen – und sich oft wundern, wie doch die Zeit vergangen
ist. Gewünscht hätte ich mir manchmal mehr Ausführlichkeit
und die Erwähnung so manches interessanten Filmes, auch kommt die
Filmparty oft zu kurz. Nicht einmal dass Marcel Reich-Ranicki, vertreten
durch Detlev Schönauer, diese im letzten Jahr moderierte, wird erwähnt.
Die traditionelle »blaue Stunde« fehlt leider auch.
Und natürlich ist das Buch absolut unvollständig,
was das 20. Jahr betrifft – hier ist vieles, während
ich diese Zeilen schreibe (Mitte Januar 1999), bereits überholt und
im aktuellen Katalog anders dargestellt. Es wäre wirklich besser gewesen,
bis nach dem 20. Festival zu warten – ich wünsche Autor und Verlag,
dass das Buch sich so erfolgreich verkauft, dass sich dieses
Manko vielleicht in einer Neuauflage beseitigen lässt.
Dann könnten sie vielleicht auch den Fehler beseitigen,
den sie wie viele andere machen: Natürlich ist das Festival noch nicht
auf dem Sprung in ein neues Jahrtausend, sondern das 21. Festival findet
noch im alten Jahrtausend statt, da das 3. Millenium erst 2001 beginnt,
wie an anderer Stelle ausführlich dargelegt.
Trotz solch kleiner Schwächen kann ich das Buch,
zumal für diesen Preis, rundum empfehlen.
Jeremy Rifkin: Das Imperium der Rinder, Campus-Verlag, 36,00
DM
Rinder stoßen Methangas aus, das mit für den Treibhauseffekt
verantwortlich ist, für jeden Hamburger werden 5 m2 Regenwald geopfert,
von den Getreidemengen, die die etwa 1,3 Milliarden Rinder verschlingen,
ließen sich einige hundert Millionen Menschen ernähren, und
auf dem Umweg über das Rind gehen bis zu 95 % der Energie aus teilweise
hochwertigem, den Menschen gut verträglichem Getreide verloren...
Dies sind nur einige der Fakten aus einem der interessantesten Bücher,
die ich zum Thema Ernährung, Geschichte und Umwelt je gelesen habe.
Jeremy Rifkin, bekannter Aktivist der Umwelt- und Verbraucherbewegung in
den USA, Wissenschaftskritiker und profilierter Gegner der Gentechnologie,
hat den »Rinderwahn« in unserer Gesellschaft untersucht – aus
historischer Sicht, aus mythologischer, vor allem aber aus ökonomischer
und ökologischer. Vieles in seinem Buch ist zu kritisieren, oft ist
Rifkin mir zu pauschal, bringt manchmal zumindest fragwürdige Thesen,
besonders im historisch-kulturellen Bereich, und manchmal ist er mir einfach
zu esoterisch, wenn er z. B. vom Kampf gegen den »Weltstier«
spricht als »Schritt zu einem neuen Kollektivbewußtsein«.
Dennoch ist das Buch notwendig und sollte möglichst von jedem gelesen
werden. Denn die Problematik beschränkt sich nicht auf Gülle
und BSE, sie beschränkt sich auch nicht auf Rinder. Es muss etwas
passieren! Und Rifkin liefert dazu viele wichtige Informationen und Denkansätze.
(Saarländisches Kultur-Journal 3/1994)
Marc Rufer: Glückspillen – Ecstasy, Prozac und das Comeback
der Psychopharmaka; Knaur Taschenbuch, 268 S.
Das beste Buch, das ich seit Jahren zum Thema Drogen, Medikamentenmißbrauch
(auch durch Ärzte) und Geschäftemacherei mit legalen wie illegalen
Drogen in die Hand bekam, kostet kaum mehr als 10 Mark. Das Taschenbuch
eines Schweizer Psychologen bietet einen solch genialen Überblick,
ist so informativ, entlarvt die legale wie illegale Drogenmafia so gnadenlos,
zeigt die Interessen der Ärzteschaft und Politiker so deutlich auf,
dass es zum Pflichtschulbuch ernannt werden müßte. Man
kann nicht aufhören zu lesen: Ob es um Antidepressiva geht, Glückspillen,
Ecstasy, harte Drogen – das Wesentliche steht drin. Dieses Buch immer wieder
zu verschenken, ist das Beste, was man gegen Drogenmißbrauch machen
kann!
»Alle psychoaktiven Substanzen stören, zum
Teil bleibend, auf grobe Weise feinste biochemische Reaktionsmechanismen
im menschlichen Gehirn. Das ist die einzige Aussage, die zur Wirkungsweise
der Drogen und der Psychopharmaka gemacht werden kann.«
»Je mehr Medikamente verschrieben werden, um
so höher fällt der Gewinn aus. Konsum um jeden Preis, das ist
der traurige Hintergrund des Verhaltens der Ärzteschaft.«
»Grundsätzlich kann gesagt werden, dass
PsychiaterInnen sehr gerne psychoaktive Substanzen einsetzen. Dagegen sind
sie gar nicht erbaut, wenn ihnen die Kontrolle darüber entgleitet.
(... ) Illegale Drogen verschaffen sich die KonsumentInnen auf eigene Faust,
da kann kein Arzt mitreden.«
»Die Mächtigen können sich nichts
Besseres wünschen als eine Jugend, die sich ihren Frust am Wochenende
vom Leibe tanzt und danach wieder fünf Tage lang ein unauffälliges
und angepaßtes Leben lebt.«
»Sinnvoll wäre eine Lizenz für die
pharmazeutische Industrie, verbunden mit einem Werbeverbot und einem festen
Preis. Das ist der einzige vernünftige Umgang mit psychoaktiven Suchtstoffen:
Legalisierung, feste Preise, Werbeverbot, rezeptfreier Verkauf in der Apotheke
ohne Registrierung der KäuferInnen. (... ) Wenn ich für die Legalisierung
einer psychoaktiven Substanz eintrete, so deshalb, weil dies meiner Ansicht
nach der beste Weg ist, den möglichen Schaden zu begrenzen. Es muss
in diesem Zusammenhang einmal mehr erwähnt werden, dass Alkohol,
Neuroleptika und die Standardantidepressiva, die bei uns völlig legal
in großem Maßstab konsumiert werden, mit Sicherheit bleibende
Schädigungen des Gehirns bewirken können.« (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1995)
Victor Scheitlin: Kreativität. Ein Handbuch für
die Praxis. Orell Füssli Verlag Zürich, 379 Seiten, 78,– DM
Wo besser als in einem Kultur-Journal sollte man ein Buch
über Kreativität vorstellen? Victor Scheitlins Buch »Kreativität«
ist nicht einfach einer der üblichen Ratgeber darüber, wie man
kreativer sein kann. Der bekannte Autor, der erst kürzlich für
sein »Großes Euro-Verkaufshandbuch« den internationalen
Preis der »Gemeinschaft Europäischer Marketing- und Verkaufsexperten«
für das beste Verkaufsbuch des Jahres 1992 erhalten hat, legt hier
ein regelrechtes Lehrbuch vor, ausgehend von der These, dass es zum
Erzielen einer befriedigenden Lebensqualität in allen Lebensbereichen
eines ausgeprägt kreativen Denkens und Handelns bedürfe. Es ist
ein Buch für Berufstätige aller Sparten, die lernen wollen, ihre
schöpferischen Fähigkeiten konsequenter und wirksamer zu nutzen.
Der reine Verstandesmensch ist out, so Scheitlin, gefragt ist bei den vernetzten
Problematiken heute mehr denn je auch im Berufsleben neben Verstand und
Logik auch Fantasie, Intuition und eben Kreativität. Neben viel Information
über biologische und psychologische Grundlagen und die neuesten Erkenntnisse
auf diesen Gebieten gibt es viele praktische Hinweise und Ratschläge,
und es werden Techniken vermittelt. Zahlreiche Arbeitsmittel runden das
Buch ab wie Checklisten, Grafiken, Tabellen, Schemata, eine Begriffsdefinitionenliste
und ein umfangreiches Nachschlageregister (Saarländisches Kultur-Journal
2/1994)
Konrad Spindler: Der Mann im Eis – Neue
sensationelle Erkenntnisse über die Mumie aus den Ötztaler Alpen
– erweiterte und aktualisierte Ausgabe des offiziellen Forschungsberichtes
der internationalen Expertenkommission; Goldmann Taschenbuch, 406 S.
1991 sorgte sie für einen Medienwirbel sondergleichen:
die Mumie eines prähistorischen Mannes, die aus einem Alpengletscher
ausaperte. Viel Unsinn wurde seither über einen der interessantesten
und spannendsten Funde der Archäologie geschrieben. Der aktualisierte
Bericht des internationalen Forscherteams zur Erforschung des »Ötzi«
rückt vieles zurecht, macht unsinnigen Spekulationen ein Ende, lässt
aber immer noch genügend Raum für Fantasie und ist auch für
Laien höchst interessant und spannend. Man erfährt unheimlich
viel über das, was heute bekannt ist über die Lebensweise unserer
Vorfahren. Außerdem ist es sehr amüsant, über zwischenstaatliche
und bürokratische Querelen nachzulesen und darüber, wie es selbst
im Kreise hochqualifizierter Wissenschaftler menschelt. (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1995)
Raymond Smullyan: Satan, Cantor und die Unendlichkeit. Birkhäuser
Pressedienst. 232 Seiten, 49,80 Seiten.
Eines der interessantesten Rätselbücher, das mir
in letzter Zeit in die Finger kam, ist »Satan, Cantor und die Unendlichkeit«.
Mehr als 200 Rätselgeschichten und Tüfteleien, von einfachen
Denksportaufgaben bis zu komplexen Paradoxien, sind zu lösen; als
Führer dient ein Hexenmeister, der auf der Insel der Ritter und Schurken
zu Hause ist. Doch nicht nur dort gilt es Rätsel zu lösen, sondern
auch auf dem Planeten Og, im Land der sich duplizierenden Roboter, im Reich
der Unendlichkeit – und schließlich bei Satan selbst. Schon die Geschichten
sind höchst amüsant; wer auch noch Spaß am Rätseln
und Logeln hat, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen. (Saarländisches
Kultur-Journal 2/1994)
Günter Vollmer et. al.: Lebensmittelführer (2 Bde.)
– Inhalte, Zusätze, Rückstände; Thieme, je 330 S.
Als fast unverzichtbar einzuschätzen ist der jetzt in
2. Auflage erschienene zweibändige Lebensmittelführer. Neben
allgemeinen Informationen über Inhalts- und Schadstoffe, chemische
und medizinische Hintergründe enthält er zu praktisch allen Lebensmitteln
das Wissenswerte über Einkauf, Herstellung, Verwendung, Inhaltsstoffe,
Gefahren... Die handlichen Büchlein sollten in der Schule Pflichtlektüre
sein und in jedem Haushalt stehen! (Saarländisches Kultur-Journal
6/1995)
Barbara G. Walker: Das geheime Wissen
der Frauen; Zweitausendeins, geb., 1216 S.
Das geheime Wissen der Frauen klingt vielversprechend, und
bei einem Lexikon von 1350 Stichworten, an dem die Autorin angeblich 25
Jahre gearbeitet hat, erwarte ich mir einiges. Doch »bewundernswert
genau recherchiert«, wie die Los Angeles Times meint, ist das Werk
leider nicht. Zu oft werden allgemein formulierte Vermutungen geäußert,
ohne diese zu belegen oder auch nur schlüssig zu erläutern, werden
Behauptungen aufgestellt, ohne die Quellen zu nennen, oder es wird falsch
zitiert. Und was soll ich anfangen mit Äußerungen wie »Die
Alten glaubten«? Besonders wenn es um Mythologie oder mythische Wesen
geht, fehlen oft fundierte Informationen, wird die Autorin essayistisch
oder nur anekdotisch, zahlreiche historische oder literarische Darstellungen
sind schlichtweg falsch. Und leider beschränkt sie sich häufig
auf mythologische oder historische Darlegungen und vergißt dabei,
neue Erkenntnisse oder die Bedeutung für Menschen von heute mit einzubeziehen.
Wichtige Themen fehlen – so tauchen weder Mohammed noch der Islam auf,
wohl aber Jesus oder der Buddhismus –, vieles wird gerade im Bereich von
Religionen und Mythen extrem einseitig dargestellt, ideologisch verfremdet
oder umgedeutet. Für die Schwächen in der Übersetzung kann
die Autorin allerdings nichts; dass die Verwendung des großen
»I« wie so oft nicht konsequent durchgezogen wird (weibliche
Vampirinnen z. B. kommen gar nicht vor!), ist nicht ihre Schuld, und für
den reißerischen und Absicht wie Inhalt des ursprünglich The
Woman's Encyclopedia of Myths and Secrets heißenden Werkes verfälschenden
Titel ist wohl der Verlag verantwortlich. Dieses Lexikon ist trotz seiner
Schwächen nützlich für alle, die sich mit Mythen oder Religionen
und der Geschichte der Frauen beschäftigen, vor allem, um einen ersten
Einblick in viele Themen und in mögliche Zusammenhänge zu bekommen.
Wer es benutzt, sollte sich jedoch immer der starken Subjektivität
vieler Aussagen und der Fragwürdigkeit vieler Informationen bewußt
sein. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)
Dieter E. Zimmer: Die Elektrifizierung der Sprache – Heyne
Taschenbuch, 1997, 272 Seiten
Dieter E. Zimmer, Wissenschaftsjournalist und Redakteur der
Wochenzeitung »Die Zeit«, gehört sei Jahren zu den profiliertesten
Kritikern der negativen Entwicklungen in der deutschen Sprache. Seit »Redens
Arten« (1986) hat er sie immer wieder schärfstens unter die
Lupe genommen und dabei mit satirischer Schärfe, oft auch beißendem
Spott die Unzulänglichkeiten und Unsinnigkeiten, die wir uns mit unserer
Sprache erlauben, kommentiert und kritisiert. 1990 legte er eine Auseinandersetzung
mit dem Thema »Sprache und Computer« vor, die jetzt stark überarbeitet
und aktualisiert mit dem Untertitel Ȇber Sprechen, Schreiben,
Computer, Gehirne und Geist« als Heyne-Taschenbuch erschienen ist.
Er widmet sich darin so spannenden Themen wie der »Schwierigkeit,
dem Computer einen Namen zu geben«, dem Unfang des menschlichen Sprachschatzes,
dem »Computer als Rechtschreibexperte«, der neuen Rechtschreibung,
der »Maschine als Übersetzerin« oder der Künstlichen
Intelligenz. Wie bei Zimmer üblich, ist dies alles überaus unterhaltsam
zu lesen, darüber hinaus aber regt es den mit Computern arbeitenden
Menschen dazu an, sich seinem Arbeitsgerät einmal aus ganz ungewohnten
Blickwinkeln zu nähern und seine eigenen Angewohnheiten zu hinterfragen.
Dass Zimmer so ganz nebenbei eine Menge Information unter das Volk
bringt, versteht sich ebenso fast von selbst wie die Tatsache, dass
er ein umfangreiches Literaturverzeichnis mitliefert.
Ein Buch, dass allen, die sich mit Computern herumplagen
müssen, ans Herz gelegt sei – und allen, die gerne mit ihnen arbeiten
- und natürlich auch allen, die (noch) nichts mit ihnen zu tun haben...