Science Fiction, Fantasy,
Märchen... (außer »Vampireskes)
HÖRBUCH: Douglas Adams: Per Anhalter ins All. Regie: Ernst Wendt;
BR/SWF/WDR 1981/82; 6 Kassetten oder CDs, ca. 5 Stunden, HÖR-VERLAG
Das Hörspiel »Per Anhalter ins All« nach Douglas Adams'
Romanen »Per Anhalter durch die Galaxis« und »Das Restaurant
am Ende des Universums« ist legendär. Es wird viele SF-Fans
und Freunde skurillen Humors freuen, dass es nun auf Kassette erhältlich
ist. Ein Manko ist aber, noch mehr als beim »Namen der Rose«,
die Verwechselbarkeit der Stimmen, besonders von Arthur Dent und Ford Prefect.
Außerdem geriet mir beim Hören oft die Erinnerung an die phantastische
Fernsehumsetzung dazwischen, die selbst, wenn man sie nur hört (ich
habe sie als Tonkassette im Auto dabei), oft kurzweiliger und phantasievoller
ist, gerade bei den Geräuscheffekten. Das Hörspiel ist nur Fans
zu empfehlen oder Leuten, die die – um Längen besseren – Bücher
nicht lesen wollen. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)
Douglas Adams: »Einmal Rupert und zurück«, Hoffmann und
Campe, gebunden, 286 S.
Intergalaktische Enttäuschung
Blitzschnell ausverkauft war die erste Auflage des lange erwarteten
fünften Bandes von Douglas Adams' »Intergalaktischer Trilogie«.
Wer halt eine Fangemeinde hat, kann auf sie bauen, doch leider wird nicht
immer gut, was lange währt. Lassen wir Revue passieren: Der »Anhalter
durch die Galaxis« war ein Bestseller, ein absolutes Superbuch, witzig,
satirisch, einfach genial. Der zweite Band, das »Restaurant am Ende
des Universums«, fiel schon ab, war aber immer noch gut. Vom dritten
Band, »Das leben, das Universum und der ganze Rest«, war nicht
nur ich enttäuscht. Adams schien nichts mehr einzufallen. Und dann
kam Band 4: »Macht's gut, und danke für den Fisch« – das
beste seit der Erfindung des Urknalls... Eine Steigerung schien nicht mehr
möglich – aber dass der fünfte Band eine solche Enttäuschung
werden würde... Langweilig, ohne Pepp, nur durchzuhalten, weil man
die Hoffnung nicht aufgibt, dass noch was kommt. Adams-Fans, seid
gewarnt: Laßt die Finger davon! FS (Saarländisches Kultur-Journal
4/1994)
Howard J. Blumenthal, Dorotha F. Curley, Brad Williams: Führer für
Zeitreisende, bettendorf'sche verlagsanstalt, 224 S., 29,80 DM
Ein Ratgeber für alle, die entweder schon eine Zeitreisemaschine erfunden
haben oder vielleicht mal von einem Zeitreisenden mitgenommen werden –
und natürlich ein wunderbar amüsantes Buch. Was ziehe ich an,
wenn ich 1920 nach Boston reise? Was ist zu beachten, wenn ich in eine
Ritter-rüstung schlüpfe? Und wie flirtet eine Frau mit ihrem
Fächer im Spanien des 15. oder den amerikanischen Südstaaten
des 19. Jahrhunderts? Ein umfangreiches kommentiertes Register von Zeitreisebüchern
und –filmen und zahlreiche Zeichnungen ergänzen das Buch aufs schönste.
(Saarländisches Kultur-Journal 6/1994)
Jorge Luis Borges (mit Margarita Guerrero): Einhorn, Sphinx und Salamander,
Fischer Taschenbuch, 224 S., 16,90 DM
Wer Kunst verstehen will, muss auch ihre Mythen kennen, ihre Monster
und Fabelwesen. Jorge Luis Borges (1899 – 1986), dem Umberto Eco im »Namen
der Rose« ein literarisches Denkmal gesetzt hat, hat selbst viel
Phantastisches geschrieben. Sein »Buch der imaginären Wesen«
hat Fischer jetzt als Band 8 der Taschenbuchausgabe in 20 Bänden vorgelegt:
ein ausgesprochen nützliches – und amüsantes – Werk nicht nur
für Leute, die sich mit mittelalterlicher Kunst, mit Literatur oder
auch mit Fantasy-Rollenspielen beschäftigen. (Saarbrücker Studentenzeitung
12/1992)
Ray Bradbury: Saurier-Geschichten, 212 S., Bastei-Lübbe-Verlag, 9,90
DM
Zu den legendären Wesen gehören die Saurier, auch wenn deren
Existenz besser belegt ist als die der Vampire. Sachbücher über
diese Tiere gibt es viele, aber auch eine Menge von Romanen und Geschichten.
Zu den Autoren, die sich seit vielen Jahren damit auseinandersetzen, zählt
der berühmte amerikanische SF-Autor Ray Bradbury (»Fahrenheit
451«), der mit seiner Geschichte »Das Nebelhorn« nicht
nur die Grundlage legte für den Film »Panik in New York«,
sondern auch mitwirkte an der Karriere des Saurierspezialisten Ray Harryhausen.
Diese und andere Saurier-Geschichten aus über 30 Jahren liegen jetzt
vor in einem wunderschönen Bändchen, blau und rot auf edlem Papier
gedruckt und versehen mit zahlreichen Illustrationen weltbekannter Zeichner.
Der Verlag verspricht nicht zuviel: »ein romantisches Lesevergnügen«
- und das auch noch ausgesprochen preiswert! (Saarländisches Kultur-Journal
4/1993)
Das große Marion Zimmer Bradley Buch, hrsg. von Helmut W. Pesch,
464 S., Bastei-Lübbe-Verlag, 10,00 DM
Marion Zimmer Bradley ist fast so bekannt wie Bradbury. Mit ihrem »Darkover«-Zyklus
hat sie eine sehr bedeutsame und positive Rolle in der SF gespielt, u.
a. indem sie verdrängte Tabu-Themen wie Homosexualität aufgriff
und der Konfrontation Magie – Technologie höchst interessante Seiten
abgewinnen konnte. Seit ihrem Bestseller »Nebel von Avalon«
(1983) schreibt sie leider hauptsächlich feministische Trivialliteratur
– das aber, wie schon bei diesem Buch um die Artus-Sage aus »weiblicher
Sicht«, höchst erfolgreich. Die angeblich schönsten ihrer
Erzählungen sind nun in einem Sammelband nachzulesen – eine gute Gelegenheit,
einen Einblick in das weite Spektrum ihres Werkes zu erhalten, vom Darkover-Zyklus
bis zu ihren moderneren Geschichten, und dies auch noch ausführlich
kommentiert. (Saarländisches Kultur-Journal 4/1993)
John Clute: Science Fiction – Die illustrierte Enzyklopädie; Heyne-Verlag,
geb. mit Schutzumschlag, viele farbige Fotos, 328 S.
Für SF-Fans ist diese Enzyklopädie – kein Lexikon! – vielleicht
nicht unbedingt ein Muß, aber zumindest ein ausgesprochener Leckerbissen!
Über die Schwächen dieses wunderschönen Schmökers sei
hinweggesehen: die eher unübersichtliche Aufteilung (eben eher enzyklopädisch
statt lexikalisch), die zu starke Betonung englischer und amerikanischer
AutorInnen, die oft eher essayistische Darstellung, die manchmal unkritrische
Behandlung wissenschaftlicher Themen oder die eher eingeschränkte
SF-Definition... Ein gutes Register macht die Unübersichtlichkeit
zumindest zum großen Teil wieder wett, und die tollen Hintergrundstories
und fantastischen Bilder lassen einen echten Fan das Buch so schnell nicht
wieder aus der Hand legen. Ein – mit Recht oft subjektiv geprägtes
– Meisterwerk, das zum Schmökern einlädt, aber auch zum Nachschlagen
geeignet ist. Wie gesagt: ein echter Leckerbissen, und wer statt mal essen
zu gehen sich dieses Buch zulegt, wird sicher mehr und länger daran
haben!
Greg Egan: Quarantäne, Bastei-Lübbe, 380 S., DM 9,90
Wenn die Zukunft dräut...
»Quarantäne« hieß einer der besten Science Fiction-Fernsehfilme,
die in Deutschland je gedreht wurden. Da geht es um gesellschaftliche Entwicklungen
in Richtung Polizeistaat wg. AIDS. »Quarantäne« heißt
auch ein 1992 erschienener Roman des jungen Australiers Greg Egan, der
mit dem Film zumindest eine Parallele hat: Auch er gehört auf seinem
Gebiet mit zu dem besten, was in den letzten Jahren erschienen ist. Seit
dem Roman »Kryptozoikum« von Brian W. Aldiss (1967), in dem
sich schließlich herausstellt, dass die Zeit eigentlich andersrum
läuft, als wir sie für uns konstruieren, kenne ich, vielleicht
abgesehen von des gleichen Autors »Report über Probabilität
A« (1968), in dem die Wahrnehmung problematisiert und jede Erkenntnis(möglichkeit)
in Frage gestellt wird, keinen SF-Roman, in dem moderne Erkenntnisse der
Physik so phantastisch umgesetzt sind. Schrödingers berühmte
Katze, die gleichzeitig lebt und tot ist, also das Problem der Unbeobachtbarkeit
mancher Ereignisse wegen des Einflusses des Beobachters auf das Ereignis,
bildet die Grundlage für eine Spekulation, wonach wir Menschen selbst
aus der Gleichzeitigkeit verschiedener Zustände unbewußt einen
auswählen und im Nachhinein auch nur diesen erlebt haben. Lebewesen
im All, die diesen »verschmierten« Zustand brauchen, schotten,
um sich zu schützen, die Erde im Jahre 2034 durch eine Barriere vom
Universum ab. Sehr komplex und dennoch leicht verständlich geschrieben,
ist die Story aus dem Jahre 2068 mehr als eine spannende Detektivgeschichte;
der Autor nimmt zudem durchaus realistisch teilweise erschreckende biotechnologische
Entwicklungen voraus (Module im Hirn, Melaninfärbung der Haut wegen
des Ozonlochs), schildert aber auch die Gefahren weltweiter Computervernetzung
und überrascht bis in Details (»Sächsische Unabhängigkeitsbewegung«)
mit oft amüsanten, oft schockierenden Ideen. Ein Meisterwerk, das
nicht nur SF-Fans lesen sollten! (Saarländisches Kultur-Journal 6/1993)
Michael Ende: Die unendliche Geschichte, 488 S., dtv junior, 16,80 DM
Eines der schönsten Bücher, das ich kenne, Die unendliche Geschichte
von Michael Ende, liegt nun wieder als Taschenbuch vor. Obwohl natürlich
das sinnliche Vergnügen, ein Buch in der Hand zu halten, bei einem
Taschenbuch viel geringer ist, halte ich Taschenbücher aus Preisgründen
und damit wegen der Verfügbarkeit gerade für Leute mit nicht
so dickem Geldbeutel für sehr sinnvoll. Dieses Buch ist hervorragend
gestaltet bis hin zur Farbgebung – und die Geschichte an sich ist des (Wieder-)Lesens
oder Verschenkes immer wert – gerade im Vergleich zu dem mißlungenen
Film, der ja nur die erste Hälfte der Geschichte, und das nicht einmal
gut, erzählt. (Saarländisches Kultur-Journal 4/1993)
Grimm, Jacob und Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen, Goldmann-Verlag,
734 Seiten, 25,00 DM
Für mich zählen die Märchen der Brüder Grimm immer
noch zur interessantesten Literatur, die unser Sprachraum kennt, und ich
lese sie nicht nur vor, ich lese sie auch immer noch und immer wieder selber.
Der Goldmann-Verlag hat nun eine sehr schöne Gesamtausgabe als Taschenbuch
vorgelegt, die alle Märchen sowie die Heiligenlegenden versammelt
und obendrein erschwinglich ist. Die Gelegenheit für alle, denen eine
Gesamtausgabe dieser Märchen fehlt – und obendrein ein tolles Geschenk
(nicht nur) für Kinder!
Barbara Hambly: Sonnenwolf (die ersten zwei Bände: Die Frauen von
Mandrigin u. Die Hexen von Wenshar), Bastei-Lübbe, 796 S., DM 10,00
– Die dunkle Hand der Magie, Bastei-Lübbe, 350 S., DM 9,80
Barbara Hambly hat mit ihrem Buch »Der schwarze Drache« eines
der
schönsten Bücher über Drachen und Magie überhaupt vorgelegt,
und auch ihre »Jagd der Vampire« ist sehr gelungen. Mit dem
Zyklus um den Söldner Sonnenwolf, der vom barbarischen Kriegerführer
zum empfindsamen Zauberer wird, und seine Gefährtin Sternenfalke hat
sie ein Meisterwerk vorgelegt: sword and sorcery der besten Art. (Saarbrücker
Studentenzeitung 12/1992)
Dieter Hasselblatt: Zwei in der Unstadt, Igel-Verlag Paderborn, 160 Seiten
Dieter Hasselblatt gehört zu den lebenden Legenden der deutschen Science-Fiction-Szene.
Im Bereich Hörspiel ist er einer der bedeutendsten Fachleute; jahrelang
war er Hörspielredakteur und –abteilungsleiter. Aber auch als Schaffender
hat er die deutsche SF maß-geblich beeinflußt; hat über
20 Hörspiele geschrieben, viele andere produziert, inszeniert oder
die Musik dazu geschrieben, obendrein Essays, Sachbücher, Romane,
Krimis, Stories, Gedichte, Märchen...
Seine Geschichten waren immer außergewöhnlich, hatten oft
etwas Kafkaeskes, ließen mich nie los. Und so ging es mir auch mit
seinem neuen Roman. Inzwischen ein nahezu Siebzigjähriger, von Krankheit
gezeichnet, ist Hasselblatt immer noch ein Gigant der Sprache.
»Du siehst nicht, was du siehst« – die Geschichte einer
Stadt, die den unseren so ähnlich und doch so unähnlich ist,
so Utopie und Anti-Utopie zugleich, so an Kafkas Schloß und ebenso
an Lems Eden erinnert, mich immer, wenn ich glaube, verstanden zu haben,
auflaufen lässt, um mich dann mit eigentlich längst erkannten
Weisheiten zu beglücken: »kalkulatorisch phantasievoll fiktional
gedacht und erzählt« im besten Sinne, spannend und voller Altersweisheit.
Wie der Wegweiser, der weg weist am Anfang des Romans, Programm ist
und irreführend zugleich, sind die (Sprach-)Bilder und philosophischen
Ideen oft genial und ihre eigene Parodie – oder die Parodie unserer Wirklichkeiten
und Gewißheiten? Wie wünschenswert ist nicht eine Welt, in der
durch Spielen gelernt wird und Zwietracht und Einfalt zu Zwiefalt und Eintracht
werden? Doch wer braucht einen siebenfaltigen Gott, wer eine Politik, deren
Ziel es ist, untüchtige Herrscher möglichst geringen Schaden
anrichten zu lassen? Wie der Stadtfremde die Unstadt am Ende verlassen
muss, »zerrissen zwischen zugegnem Nichtmehr und ankommendem
Nochnicht«, verlasse ich die Geschichte – doch werde ich, im Gegensatz
zu ihm, sicher immer wiederkehren.
»Geschichten erzählen lohnt sich immer.«
»Wenn Du verstehen möchtest, was du zunächst nicht
verstehst, dann musst du nicht so tun, als dürfte das, was du
siehst und verstehen möchtest, nicht das sein, was du siehst. Oder
dürfte nicht so sein, wie du es siehst. Du siehst nicht, was du siehst,
weil du vorher schon denkst, was deiner Meinung nach sein könnte.«
»Bitte nicht um Verzeihung. Um Verzeihung bitten schubst den,
den man um Verzeihung bittet, auf den Sockel des Gnadeübenden, des
Milde-walten-Lassenen – bitte nicht um Verzeihung, fang besser an zu verstehen.
Und einzusehen, was du anders machen solltest, könntest, müßtest.«
(Dieter
Hasselblatt: Zwei in der Unstadt)
»Für mich ist SF vor allem Alternative zum Jetzt und Hier
und nicht unbedingt Futurum und Weltall. Neinnein, ich mag das gebräuchliche
Remmidemmi in den Hinterhöfen der Gaxis gar nicht. Die angloamerikanische
SF kann ihre Herkunft aus den 30er Jahren mit ihrer waffenklirrenden euphorischen
Rüstungsmentalität einfach nicht abstreifen. Meines Erachtens
sollte hier in der von der Literaturliteratur vernachlässigten Domäne
des Poetischen kalkulatorisch phantasievoll fiktional gedacht und erzählt
werden.« (Dieter Hasselblatt, Privatbrief) (Saarländisches
Kultur-Journal 5/1995)
Terry Jones (Hrsg.): Lady Cottington – Mein geheimes Elfenalbum; Gerstenberg
Verlag, geb., 64 faksimilierte Seiten mit zahlr. Farbzeichnungen
Ein ausgesprochenes Vergnügen für jeden Elfenfreund ist das Geheime
Elfenalbum der Lady Cottington. Diese Elfen haben weitaus mehr mit Waldemar
Bonsels Blumenelf aus der Biene Maja zu tun als mit den Elben Tolkiens,
den Elfen Lord Dunsanys oder gar den alten Asen oder den davon abstammenden
dunklen Elfen Poul Andersons; in ihrer erotischen Bösartigkeit erinnern
sie am ehesten an die Elfen in Fosters Bannsängerserie. Für Kenner
ist das Buch ein großer Spaß, aber auch Leute, die bisher mit
Elfen noch nichts am Hut haben, können sich köstlich darüber
amüsieren, besonders über die Bilder. Und die Ausstattung ist
fantastisch! (Saarländisches Kultur-Journal 5/1995)
Stephen King: Alpträume – Nightmares and Dreamscapes,
Heyne, 462 S., 14,90 DM
»Alpträume« heißt der neueste Sammelband von Stephen
King. Über die Qualität vieler Werke des ungekrönten Königs
des Grauens und modernen Horrors kann man streiten; dass er in kurzen
Geschichten meist besser ist als in seinen Romanen, weiß er wohl
selber: »Ich hasse es zu erklären, warum etwas passiert, und
meine diesbezüglichen Versuche sind nicht besonders gut. In Kurzgeschichten
kann es sich der Autor manchmal noch leisten, zu sagen: >So ist es passiert.
Frag nicht warum.< «
Dieser neueste Sammelband – im Deutschen nur der erste Teil des Gesamtbandes,
der zweite folgt sicher bald – versammelt neuere Geschichten und ältere,
bereits veröffentlichte. Neben Meisterstücken der kleinen Kunst,
etwa der bemerkenswerten SF-Story »Das Ende des ganzen Schlamassels«,
einer knallharten Vampir- und einer tollen Zombiegeschichte, findet sich
auch ziemlich Plattes. Insgesamt kann ich das Buch aber allen Freunden
des eher gehobenen Horrors oder von Science Fiction empfehlen. (Saarländisches
Kultur-Journal 3/1995)
Dean Koontz: Geschöpfe der Nacht – Roman,
Heyne, gebunden, 512 Seiten, 1999
Koontz ist neben Stephen King der wohl erfolgreichste und bekannteste Autor
des Horrorgenres – und aus meiner Sicht in vielen seiner Bücher King
überlegen. Immer wieder greift er grundlegende Probleme auf, stellt
oft moralische und philosophische Fragen, geschickt verwoben und untergebracht
in spannenden Geschichten.
Sein Roman »Geschöpfe der Nacht« ist eines seiner
bisher überzeugendsten Bücher, wenn auch nicht eines der spannendsten.
Der »Held« Christopher Snow leidet an Xeroderma
Pigmentosum und kann sich deshalb nur nachts ins Freie wagen. Als sein
Vater stirbt, entdeckt er in der wunderschönen Stadt Moonlight Bay
Abgründe, die er nie vermutet hätte: Menschen entpuppen sich
als tierisch und aggresiv, Tiere als hoch intelligent und manchmal, wie
eine die Gegend terrorisierende Affenhorde, als höchst gefährlich.
Snow muss erkennen, dass seine verstorbeene Mutter, um für
ihn eine Heilung zu finden, eine genetische Büchse der Pandora geöffnet
hat, die sich nicht wieder schließen lässt.
Ungemein lakonisch lässt Koontz uns mit seinem Helden teilhaben
am Zusammenbruch der Welt, und wenn Snow alleine oder mit seinem besten
Freund über Surfen und das Leben philosophiert, erinnert das, wie
Koontz' Stil auch sonst immer wieder, an einen der größten phantastischen
Schriftsteller, die Amerika hervorgebracht hat, an Roger
Zelazny in seinen besten Werken. Das lässt einen darüber
hinwegsehen, dass manches in Koontz' Buch zu leicht vorhersehbar und
das Ende etwas schwach ist – vergleichbar einigen Werken Lovecrafts, von
denen ein Kritiker mal schrieb, dass mit großem Brimborium eine
Flasche Champagner geköpft werde, dann aber nur Selters hervorsprudele.
Dennoch ein empfehlenswertes und unterhaltsames Buch.
François Pétis de LaCroix: Tausendundein Tag. Persische Märchen.
Aus d. Franz. üb. v. Marie-Henriette Müller. Manesse-Verlag.
644 S., 49,90 DM
Wer kennt nicht die Märchen aus »1001 Nacht« – zumindest
in der zensierten oder gereinigten Version. Ungefähr zur gleichen
Zeit, als diese erstmals in Europa erschienen – Anfang des 18. Jahrhun-
derts –, veröffentlichte ein Professor für orientalische Sprachen
am Collège Royal in Paris eine Geschichtensammlung mit dem beziehungsreichen
Titel »Tausendundein Tag«: Liebesgeschichten, die sich eine
kaschmirische Prinzessin erzählen lässt, und die angeblich
von einem iranischen Derwisch stammten. In Wirklichkeit war er selbst der
Autor und schrieb sie zum Amüsement einer jungen Herzogin. Auch wenn
diese Geschichten nie die Bekanntheit der »1001 Nächte«
erreichten, hatten sie doch eine enorme Bedeutung als einer der Ausgangspunkte
für den Orientmärchenrausch des 18. und 19. Jahrhunderts. In
der nun vorliegenden neuen Übersetzung sind sie wirklich ein Lesegenuß,
zumal das Buch die von Manesse bekannte hervorragende Ausstattung aufweist.
(Saarländisches Kultur-Journal 2/1994)
Jean de La Fontaine: Sämtliche Fabeln, dtv, 608 S., 19,90 DM
«Ses fables ne mourront jamais!«
Diese Prophezeiung von Maucroix, bester Freund von Jean de La Fontaine,
hat sich bewahrheitet. Die Fabeln des größten Meisters dieses
Genres haben die Beliebtheit der Gattung weit überlebt, und viele
sind in popularisierter Form Allgemeingut des bürgerlichen Bildungsgutes
geworden. Es gibt einige sehr schöne und gute Aus-gaben – besonders
gefällt mir die bibliophile deutsch-französische bei Artemis-Winkler,
die ich Ende 1992 vorstellte. Doch so billig wie bei dtv gibt es die Fabeln
komplett meines Wissens nirgendwo – und in bester Qualität, ist es
doch eine Lizenzausgabe von Winkler und bietet für nur 19,90 DM alle
Fabeln in den hervorragenden Übersetzungen von Ernst Dohm und Gustav
Fabricius, die berühmten Illustrationen von Grandville (alle 255),
eine Zeittafel, Anmerkungen, Literaturhinweise und ein ausführliches
Nachwort von Hermann Lindner. Absolut zu empfehlen und ein tolles Geschenk!
(Saarländisches Kultur-Journal 3/1995)
Felix Mettler: Made in Afrika, geb., Ammann-Verlag, 298 S.
Ist das nun ein Kriminalroman, ein Science-Fiction-Roman, ein wissenschaftskritisches
Buch, ein Spannungsroman über Gentechnologie? Von allem was, doch
hinterlässt die Mischung bei mir ein Gefühl der Leere. Ein
Wissenschaftler fügt der Gensubstanz eines Gorillas eigene Gensequenzen
hinzu, heraus kommt fast so was wie ein Heiliger, der angebetet, aber auch
gejagt und mißbraucht wird. Eigentlich ist der Roman ganz spannend,
aber er wäre wirklich gut, wenn sich der Autor entscheiden würde.
Alle möglichen Aspekte werden angerissen: Ethik, Wissenschaftskritik,
Politik, manchmal wird's satirisch oder gar fast surreal – schade, dass
nichts wirklich durchgezogen ist. (Saarländisches Kultur-Journal 2/1995)
Matt Ruff: »Fool on the Hill«, dtv, 576 S., 19,90 DM
Die schönste Frau der Welt und ein Narr auf dem Hügel
Fantasy? Ein Märchen? Ein Heldenepos für Freunde von Kobolden,
Hunden und Katzen? Eine Shakespeare-Parodie? So ratlos wie der Verfasser
des Klappentextes bin auch ich nach der Lektüre von Matt Ruffs »Narr
auf dem Hügel«, aber eines weiß ich: Es ist eines der
schönsten und besten Bücher, das ich seit Jahren gelesen habe,
eines jener Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legt und bei denen
man am Ende da sitzt und sehnlichst wünscht, es möchte noch einmal
solange weitergehen. Da ist was drin von Tolkien und Ende und Eco, und
es ist doch was ganz eigenes. Da trifft die Unendlichkeit den amerikanischen
Campus, die Kobolde fliegen mit den Träumen um die Wette, und der
große Endkampf entscheidet sich mit Plastikpuppen und Polizistinnen,
Rittern und Ratten, Drachen und der schönsten Frau der Welt ganz in
unserer und doch außerhalb jeder Zeit. Dramatik, Romantik, Trauer,
bittersüßer Humor und feinste Satire vereint dieses 1988 in
New York und 1991 bei Hanser erschienene Buch, das dtv dankenswerterweise
jetzt als preiswertes Taschenbuch vorgelegt hat. Wer irgend etwas übrig
hat für den »Sense of Wonder«, der renne in den nächsten
Buchladen und hole ihn sich in Massen, der hole sich dieses Buch! (Saarländisches
Kultur-Journal 4/1994)
Herbert Rosendorfer: Die Goldenen Heiligen oder Columbus entdeckt Europa,
dtv, 262 S., 14,90 DM
Satire der bösesten Art – und beste SF
Herbert Rosendorfer, Richter in München, ist einer der produktivsten
deutschen Autoren; dies tut aber der Qualität bei ihm keinen Abbruch.
Freunde des Studio-Theaters kennen sein Stück »Kellnerin Anni«,
in dem Michaela Auinger brilliert. 1992 legte Rosendorfer eine bitterböse
Satire vor, die jetzt bei dtv im Taschenbuch erschienen ist – wie schon
20 weitere Bücher von Rosendorfer. Seine »Goldenen Heiligen«
überfallen die Erde – oder stolpern über sie, in sie – und gehen
mit den Menschen um wie die Europäer einst mit den Indianern – nein,
eigentlich viel harmloser. Trotzdem erzählt diese Story der letzte
Mensch, denn die Menschen, die sich problemlos hätten wehren können,
haben sich praktisch selbst ausgerottet. Das Ozonloch, der steigende Wasserspiegel
aufgrund des Treibhauseffektes, die Rohstoffkriege und Flüchtlingsströme,
AIDS, die Drogen-Mafia, die eigentlich regiert – das und vieles mehr gibt
den Menschen den Rest, und so, wie der Autor sie schildert, haben sie es
nicht besser verdient. Alle kriegen ihr Fett weg, die Politiker und Militärs,
die Wirt-schaftsbosse und Wissenschaftler, die einfachen Leute und die
ach so progressiven, der Kapitalismus, das Wassermannzeitalter und die
damit zusammenhängende »neonationalistisch-fundamentalistische
Qualle, halb Astrologie oder auch: halb Meditation, halb Müsli«.
Einer der besten deutschen Science-Fiction-Romane seit Amerys »Untergang
der Stadt Passau« – und einer der amüsantesten dazu. (Saarländisches
Kultur-Journal 3/1995)
Salman Rushdie: Harun und das Meer der Geschichten, Kindler-Verlag, 256
Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, DM 34,00
Wer kennt ihn nicht, Salman Rushdie, den Mann, den die Mullahs jagen (lassen)
wegen seines Romans Die satanischen Verse (1988). Alle reden über
den Autor, vor allem jetzt wieder seit dem Skandal auf der Frankfurter
Buchmesse um die Zulassung iranischer Verlage – aber wer hat die Satanischen
Verse oder gar frühere Bücher von ihm schon gelesen?
Rushdie (geboren 1947 in Bombay, Studium der Geschichte in Cambridge,
Journalist und Schriftsteller) war schon vorher ein bekannter Mann, der
gute Bücher geschrieben hatte (u.a. Mitternachtskinder, 1983, und
Scham und Schande, 1985). Seit dem Todesurteil hält er sich versteckt,
aber er schreibt weiter.
Sein neuestes Buch: Harun and the sea of stories, 1990 in Englisch und
jetzt bei Kindler in einer schön aufgemachten Ausgabe auch in Deutsch
erschienen: Harun und das Meer der Geschichten.
Das Buch erinnert an Michael Endes Momo: Beide sind vordergründig
Märchen – Märchen für (nicht nur) Erwachsene, Parabeln mit
Lehrcharakter.
Raschid, dem Geschichtenerzähler, dem »Genie der Phantasie«,
dreht jemand oder etwas den Geschichtenhahn ab, aus dem das Erzählwasser
floß, und sein Sohn Harun macht sich auf den Weg zum Meer der Geschichten,
um den Vater – und nicht nur ihn – zu retten...
Auch Rushdie fühlt(e) sich wohl abgeschnitten vom Wasser der Phantasie,
und dass »die traurigste von allen Städten, so todtraurig,
dass sie sogar ihren Namen vergessen hatte«, so gar nichts mit
unserer realen Welt und seiner Situation zu tun hat, kann man sich kaum
vorstellen. Aber Rushdie – wie Harun – gelingt es, das Erzählwasser
wieder fließen zu lassen. Von ihm sind sicher noch viele Geschichten
zu hören – möge ihm das Erzählwasser nie ausgehen... (Saarländisches
Kultur-Journal 4/1991)
»Das Tolkien-Lesebuch«, dtv 11457, 448
Seiten, DM 10,00(!)
»Es ist eine Gabe« sagt Tüftler in Tolkiens Geschichte
»Leaf by Niggle« (»Blatt von Tüftler«) – und
so sah der große Dichter und Phantast wohl auch seine eigenen Fähigkeiten.
John Ronald Reuel TOLKIEN, kurz J.R.R.T., wäre am 3. Januar 1992
einhundert Jahre alt geworden. Der Oxford-Professor für altes Englisch,
der am 2. September 1973 starb, war einer der größten Phantasten
der Literaturgeschichte und hat mit der Saga um Mittelerde, die Hobbits,
um Elben und Zwerge, um den Zauberer Gandalf und um die drei Ringe einen
der größten und schlüssigsten Mythen geschaffen und der
Fantasy-Literatur weltweit zum Durchbruch verholfen.
Inzwischen ist Tolkien der wohl erfolgreichste – und nach meiner Meinung
beste – Fantasy-Autor der Geschichte, seine Welt Mittelerde hat einem Rollenspiel
den Namen gegeben, und »Der Herr der Ringe« wurde sogar verfilmt.
Der Zeichentrickfilm von Ralph Bakshi lief im ZDF am 1. Weihnachtstag –
für viele Tolkien-Verehrer ein abscheuliches Machwerk, das von der
Subtilität und der erzählerischen Großartigkeit des Werkes
nichts rüberbringt.
Tolkiens Werk, in dem er eine komplette eigene Welt mit eigener Kosmogonie
(im »Silmarillion«), eigener Religion und sogar eigener Sprache*)
schafft, bietet viele Aspekte, bis hinein in den politischen Raum, auch
wenn er selbst es nie politisch verstanden wissen wollte. Immerhin gingen
in den USA 1968 Studenten auf die Straße mit dem Slogan »Gandalf
for President«...
Das Haupt-Werk Tolkiens liegt bei Klett-Cotta vor, bei dtv sind »Der
kleine Hobbit« – eins der schönsten Kinderbücher überhaupt
- und verschiedene Auszüge aus Tolkiens Werk als Taschenbücher
erschienen. Neu ist nun das »Tolkien-Lesebuch«: Es bietet für
wenig Geld einen Querschnitt aus Tolkiens Werke, aber auch Biographisches
und Briefe. Es ist für »Tolkien-Neulinge« ebenso interessant
wie für Freaks. Ebenfalls neu bei dtv: die berühmte Tolkien-Biographie
von Humphrey Carpenter von 1977, die bisher nur bei Klett-Cotta vorlag.
*) Viele »Fans« – ich auch – haben ein Lexikon davon angefertigt,
und ich habe die Tolkien-Runen und Elbenbuchstaben inzwischen auch als
Computerzeichensätze erstellt, z. B. für den Atari, wo meine
Signum-Zeichensätze ins offizielle Programm aufgenommen wurden, oder
als Trutype-Fonts. (Saarländisches Kultur-Journal 1/1992)
»Utopisch ist der ,Herr der Ringe' in mancherlei Hinsicht.
(...)
Die kleinen Leute... nehmen entscheidende Aufgaben wahr in einer
Situation, in der den Weisen und Großen der Atem und der Verstand
auszugehen drohen. (...)
So bewältigt der `Herr der Ringe' das Bedürfnis nach Geschichte,
das er aufgreift, nicht, aber er gestattet weitgreifende Durchblicke dem,
der sich über der Lektüre fremd wird und damit einen Schritt
zu sich selbst tut...« (Frankfurter Rundschau 2.9.78)
HÖRBUCH: John Ronald Reuel Tolkien: Der Herr der Ringe. Regie: Bernd
Lau; Hörspielfassung: Peter Steinbach; SWF/WDR 1991/92; 30 Folgen
und ein Werkstattbericht auf 15 Kassetten oder CDs, ca. 25 Stunden, HÖR-VERLAG
Drei Dinge verbinden Tankred Dorsts »Merlin«, hier an anderer
Stelle besprochen, und Tolkiens »Herr der Ringe«: In beiden
geht es um mythische Zauberer und Könige, in beiden wird der König
– dort Artus, hier Aragorn – von dem phänomenal guten Hans Peter Hallwachs
gesprochen, und beide beruhen auf monumentalen Werken. Tolkiens »Herr
der Ringe« ist für mich immer noch DAS Meisterwerk der phantastischen
Literatur. Während es leider immer noch keine vernünftige filmische
Um-setzung gibt, kann die mit 750.000 Mark wohl teuerste Produktion der
deutschen Hörspielgeschichte als absolut gelungen bezeichnet werden.
Sicher, es gibt ein paar Dinge, über die ein Spezialist und Fan wie
ich sich mokieren könnte – ich würde zum Beispiel einige der
(behutsamen) Kürzungen anders gestalten, stelle mir die Musik teilweise
anders vor –, aber dies sind Kleinigkeiten, über die man genausogut
anderer Meinung sein kann und die dem hervorragenden Ge-samteindruck keinen
Abbruch tun. Story, Personen und Atmosphäre sind getroffen, und ein
Werkstattbericht zum Abschluß gibt einen Einblick in die Vorstellungen
der Macher. Diese Produktion kann ich Tolkien-Fans uneingeschränkt
empfehlen, und für die, die sein Werk kennen lernen wollen, ohne es
zu lesen, kann es kaum einen besseren Einstieg geben. (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1995)
J. R. R. Tolkien & Donald Swann: The Road Goes ever on – Der Tolkien-Liederzyklus,
Olav Hille Verlag, 22 x 28 cm, 76 + 12 S., 48,– DM
Lange war er vergriffen, nun liegt er wieder vor: der einzige von Tolkien
selbst autorisierte Liederzyklus. Als Faksimiledruck der 1978 erschienenen
englischen Ausgabe legt ihn ein Hamburger Verlag vor, ergänzt um ein
12seitiges Heft mit den Übersetzungen der englischen Anmerkungen.
Leider hat der Verlag die Kosten oder den Aufwand gescheut, auch die Liedtexte
zu übersetzen – nicht jeder kann gut genug englisch, und es ist aufwendig,
die Lieder aus den Büchern herauszusuchen. Dies ist aber auch der
einzige Kritikpunkt, den ich an diesem Buch habe. Die Ausstattung ist gediegen,
stabil und sehr edel gemacht, und die Lieder sind mit Originalkaligraphien
und Anmerkungen Tolkiens versehen. 6 Texte aus dem »Herrn der Ringe«,
einen aus »Tom Bombadil« (Irrfahrt) und einen zusätzlich
von Joy Hill verfassten Text hat Swann vertont, der bekannte Liedkomponist,
alle mit Klavierbegleitung und Gitarrengriffen, teilweise sogar mit Chorarrangement.
Mit Ausnahme von »I sit beside the Fire« ist keines so angelegt,
dass es als Lied »von damals« verstanden werden könnte;
so komplex singen Hobbits keine Wanderlieder. Nein, es sind – ganz bewußt
&endash; Kunstlieder. Wer sie nachsingen will, sollte schon ein bißchen
Ahnung von Musik haben und einigermaßen singen können. (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1994)
Roger Zelazny: 6. – 10. Roman des Amber-Zyklus: Die Trümpfe des jüngsten
Gerichts/Das Blut von Amber/Zeichen des Chaos/Ritter der Schatten/Prinz
des Chaos – Heyne-Taschenbuch
Der fünfbändige Zyklus um Corwin von Amber von Altmeister Roger
Zelazny gehört in der Fantasy zum besten, was sword and sorcery zu
bieten haben. Nun liegt die Fortsetzung vor, ein Zyklus um Corwins Sohn
Merlin. Während die ersten zwei Bände sich noch ganz gut anlassen
– auch wenn Zelazny nie die poetische Dichte und erzählerische Virtuosität
erreicht wie in seinen besten Werken –, fallen die nächsten drei Stück
für Stück ab. Okay, das ist gutes Handwerk, wie in so vielen
seiner mittelmäßigen Romane, aber der Zelazny des »Corwin«,
der von der »Insel der Toten« ist das nicht, schon gar nicht
mehr ist er der »Herr der Träume« oder der Poet von »Dem
Prediger die Rose«. Zu verworren und zugleich durchsichtig ist die
Story, manchmal blutleer und zu wenig durchdacht. Am schlimmsten ist der
Schluß: Da werden schnell ein paar Fäden zusammengerafft, Corwin
taucht kurz und unmotiviert auf, vieles – auch wie es weitergehen soll
– bleibt ungeklärt: eine Enttäuschung. Für Corwin-Fans ist
dies sicher lesenswert, und es ist immer noch besser als die 08/15-Fantasy,
mit der wir überschüttet werden – aber mir tut es leid um die
vertane Chance.
Die ersten 5 Bände sind als Sammelband erhältlich: Roger
Zelazny: Die Prinzen von Amber – Heyne-Taschenbuch (Saarländisches
Kultur-Journal 6/1995)