Science Fiction, Fantasy, Märchen ... (außer »Vampireskes«)

HÖRBUCH: Douglas Adams: Per Anhalter ins All. Regie: Ernst Wendt; BR/SWF/WDR 1981/82; 6 Kassetten oder CDs, ca. 5 Stunden, HÖR-VERLAG

Das Hörspiel »Per Anhalter ins All« nach Douglas Adams' Romanen »Per Anhalter durch die Galaxis« und »Das Restaurant am Ende des Universums« ist legendär. Es wird viele SF-Fans und Freunde skurillen Humors freuen, dass es nun auf Kassette erhältlich ist. Ein Manko ist aber, noch mehr als beim »Namen der Rose«, die Verwechselbarkeit der Stimmen, besonders von Arthur Dent und Ford Prefect. Außerdem geriet mir beim Hören oft die Erinnerung an die phantastische Fernsehumsetzung dazwischen, die selbst, wenn man sie nur hört (ich habe sie als Tonkassette im Auto dabei), oft kurzweiliger und phantasievoller ist, gerade bei den Geräuscheffekten. Das Hörspiel ist nur Fans zu empfehlen oder Leuten, die die – um Längen besseren – Bücher nicht lesen wollen. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)

Douglas Adams: »Einmal Rupert und zurück«, Hoffmann und Campe, gebunden, 286 S.

Intergalaktische Enttäuschung

Blitzschnell ausverkauft war die erste Auflage des lange erwarteten fünften Bandes von Douglas Adams' »Intergalaktischer Trilogie«. Wer halt eine Fangemeinde hat, kann auf sie bauen, doch leider wird nicht immer gut, was lange währt. Lassen wir Revue passieren: Der »Anhalter durch die Galaxis« war ein Bestseller, ein absolutes Superbuch, witzig, satirisch, einfach genial. Der zweite Band, das »Restaurant am Ende des Universums«, fiel schon ab, war aber immer noch gut. Vom dritten Band, »Das leben, das Universum und der ganze Rest«, war nicht nur ich enttäuscht. Adams schien nichts mehr einzufallen. Und dann kam Band 4: »Macht’s gut, und danke für den Fisch« – das beste seit der Erfindung des Urknalls... Eine Steigerung schien nicht mehr möglich – aber dass der fünfte Band eine solche Enttäuschung werden würde ... Langweilig, ohne Pepp, nur durchzuhalten, weil man die Hoffnung nicht aufgibt, dass noch was kommt. Adams-Fans, seid gewarnt: Laßt die Finger davon! FS (Saarländisches Kultur-Journal 4/1994)

Howard J. Blumenthal, Dorotha F. Curley, Brad Williams: Führer für Zeitreisende, bettendorf’sche verlagsanstalt, 224 S., 29,80 DM

Ein Ratgeber für alle, die entweder schon eine Zeitreisemaschine erfunden haben oder vielleicht mal von einem Zeitreisenden mitgenommen werden – und natürlich ein wunderbar amüsantes Buch. Was ziehe ich an, wenn ich 1920 nach Boston reise? Was ist zu beachten, wenn ich in eine Ritter-rüstung schlüpfe? Und wie flirtet eine Frau mit ihrem Fächer im Spanien des 15. oder den amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts? Ein umfangreiches kommentiertes Register von Zeitreisebüchern und -filmen und zahlreiche Zeichnungen ergänzen das Buch aufs schönste. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1994)

Jorge Luis Borges (mit Margarita Guerrero): Einhorn, Sphinx und Salamander, Fischer Taschenbuch, 224 S., 16,90 DM

Wer Kunst verstehen will, muss auch ihre Mythen kennen, ihre Monster und Fabelwesen. Jorge Luis Borges (1899 – 1986), dem Umberto Eco im »Namen der Rose« ein literarisches Denkmal gesetzt hat, hat selbst viel Phantastisches geschrieben. Sein »Buch der imaginären Wesen« hat Fischer jetzt als Band 8 der Taschenbuchausgabe in 20 Bänden vorgelegt: ein ausgesprochen nützliches – und amüsantes – Werk nicht nur für Leute, die sich mit mittelalterlicher Kunst, mit Literatur oder auch mit Fantasy-Rollenspielen beschäftigen. (Saarbrücker Studentenzeitung 12/1992)

Ray Bradbury: Saurier-Geschichten, 212 S., Bastei-Lübbe-Verlag, 9,90 DM

Zu den legendären Wesen gehören die Saurier, auch wenn deren Existenz besser belegt ist als die der Vampire. Sachbücher über diese Tiere gibt es viele, aber auch eine Menge von Romanen und Geschichten. Zu den Autoren, die sich seit vielen Jahren damit auseinandersetzen, zählt der berühmte amerikanische SF-Autor Ray Bradbury (»Fahrenheit 451«), der mit seiner Geschichte »Das Nebelhorn« nicht nur die Grundlage legte für den Film »Panik in New York«, sondern auch mitwirkte an der Karriere des Saurierspezialisten Ray Harryhausen. Diese und andere Saurier-Geschichten aus über 30 Jahren liegen jetzt vor in einem wunderschönen Bändchen, blau und rot auf edlem Papier gedruckt und versehen mit zahlreichen Illustrationen weltbekannter Zeichner. Der Verlag verspricht nicht zuviel: »ein romantisches Lesevergnügen« - und das auch noch ausgesprochen preiswert! (Saarländisches Kultur-Journal 4/1993)

Das große Marion Zimmer Bradley Buch, hrsg. von Helmut W. Pesch, 464 S., Bastei-Lübbe-Verlag, 10,00 DM

Marion Zimmer Bradley ist fast so bekannt wie Bradbury. Mit ihrem »Darkover«-Zyklus hat sie eine sehr bedeutsame und positive Rolle in der SF gespielt, u. a. indem sie verdrängte Tabu-Themen wie Homosexualität aufgriff und der Konfrontation Magie – Technologie höchst interessante Seiten abgewinnen konnte. Seit ihrem Bestseller »Nebel von Avalon« (1983) schreibt sie leider hauptsächlich feministische Trivialliteratur – das aber, wie schon bei diesem Buch um die Artus-Sage aus »weiblicher Sicht«, höchst erfolgreich. Die angeblich schönsten ihrer Erzählungen sind nun in einem Sammelband nachzulesen – eine gute Gelegenheit, einen Einblick in das weite Spektrum ihres Werkes zu erhalten, vom Darkover-Zyklus bis zu ihren moderneren Geschichten, und dies auch noch ausführlich kommentiert. (Saarländisches Kultur-Journal 4/1993)

John Clute: Science Fiction – Die illustrierte Enzyklopädie; Heyne-Verlag, geb. mit Schutzumschlag, viele farbige Fotos, 328 S.

Für SF-Fans ist diese Enzyklopädie – kein Lexikon! – vielleicht nicht unbedingt ein Muß, aber zumindest ein ausgesprochener Leckerbissen! Über die Schwächen dieses wunderschönen Schmökers sei hinweggesehen: die eher unübersichtliche Aufteilung (eben eher enzyklopädisch statt lexikalisch), die zu starke Betonung englischer und amerikanischer AutorInnen, die oft eher essayistische Darstellung, die manchmal unkritrische Behandlung wissenschaftlicher Themen oder die eher eingeschränkte SF-Definition... Ein gutes Register macht die Unübersichtlichkeit zumindest zum großen Teil wieder wett, und die tollen Hintergrundstories und fantastischen Bilder lassen einen echten Fan das Buch so schnell nicht wieder aus der Hand legen. Ein – mit Recht oft subjektiv geprägtes – Meisterwerk, das zum Schmökern einlädt, aber auch zum Nachschlagen geeignet ist. Wie gesagt: ein echter Leckerbissen, und wer statt mal essen zu gehen sich dieses Buch zulegt, wird sicher mehr und länger daran haben!

Greg Egan: Quarantäne, Bastei-Lübbe, 380 S., DM 9,90

Wenn die Zukunft dräut ...

»Quarantäne« hieß einer der besten Science Fiction-Fernsehfilme, die in Deutschland je gedreht wurden. Da geht es um gesellschaftliche Entwicklungen in Richtung Polizeistaat wg. AIDS. »Quarantäne« heißt auch ein 1992 erschienener Roman des jungen Australiers Greg Egan, der mit dem Film zumindest eine Parallele hat: Auch er gehört auf seinem Gebiet mit zu dem besten, was in den letzten Jahren erschienen ist. Seit dem Roman »Kryptozoikum« von Brian W. Aldiss (1967), in dem sich schließlich herausstellt, dass die Zeit eigentlich andersrum läuft, als wir sie für uns konstruieren, kenne ich, vielleicht abgesehen von des gleichen Autors »Report über Probabilität A« (1968), in dem die Wahrnehmung problematisiert und jede Erkenntnis(möglichkeit) in Frage gestellt wird, keinen SF-Roman, in dem moderne Erkenntnisse der Physik so phantastisch umgesetzt sind. Schrödingers berühmte Katze, die gleichzeitig lebt und tot ist, also das Problem der Unbeobachtbarkeit mancher Ereignisse wegen des Einflusses des Beobachters auf das Ereignis, bildet die Grundlage für eine Spekulation, wonach wir Menschen selbst aus der Gleichzeitigkeit verschiedener Zustände unbewußt einen auswählen und im Nachhinein auch nur diesen erlebt haben. Lebewesen im All, die diesen »verschmierten« Zustand brauchen, schotten, um sich zu schützen, die Erde im Jahre 2034 durch eine Barriere vom Universum ab. Sehr komplex und dennoch leicht verständlich geschrieben, ist die Story aus dem Jahre 2068 mehr als eine spannende Detektivgeschichte; der Autor nimmt zudem durchaus realistisch teilweise erschreckende biotechnologische Entwicklungen voraus (Module im Hirn, Melaninfärbung der Haut wegen des Ozonlochs), schildert aber auch die Gefahren weltweiter Computervernetzung und überrascht bis in Details (»Sächsische Unabhängigkeitsbewegung«) mit oft amüsanten, oft schockierenden Ideen. Ein Meisterwerk, das nicht nur SF-Fans lesen sollten! (Saarländisches Kultur-Journal 6/1993)

Michael Ende: Die unendliche Geschichte, 488 S., dtv junior, 16,80 DM

Eines der schönsten Bücher, das ich kenne, Die unendliche Geschichte von Michael Ende, liegt nun wieder als Taschenbuch vor. Obwohl natürlich das sinnliche Vergnügen, ein Buch in der Hand zu halten, bei einem Taschenbuch viel geringer ist, halte ich Taschenbücher aus Preisgründen und damit wegen der Verfügbarkeit gerade für Leute mit nicht so dickem Geldbeutel für sehr sinnvoll. Dieses Buch ist hervorragend gestaltet bis hin zur Farbgebung – und die Geschichte an sich ist des (Wieder-)Lesens oder Verschenkes immer wert – gerade im Vergleich zu dem mißlungenen Film, der ja nur die erste Hälfte der Geschichte, und das nicht einmal gut, erzählt. (Saarländisches Kultur-Journal 4/1993)

Grimm, Jacob und Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen, Goldmann-Verlag, 734 Seiten, 25,00 DM

Für mich zählen die Märchen der Brüder Grimm immer noch zur interessantesten Literatur, die unser Sprachraum kennt, und ich lese sie nicht nur vor, ich lese sie auch immer noch und immer wieder selber. Der Goldmann-Verlag hat nun eine sehr schöne Gesamtausgabe als Taschenbuch vorgelegt, die alle Märchen sowie die Heiligenlegenden versammelt und obendrein erschwinglich ist. Die Gelegenheit für alle, denen eine Gesamtausgabe dieser Märchen fehlt – und obendrein ein tolles Geschenk (nicht nur) für Kinder!

Barbara Hambly: Sonnenwolf (die ersten zwei Bände: Die Frauen von Mandrigin u. Die Hexen von Wenshar), Bastei-Lübbe, 796 S., DM 10,00 – Die dunkle Hand der Magie, Bastei-Lübbe, 350 S., DM 9,80

Barbara Hambly hat mit ihrem Buch »Der schwarze Drache« eines der schönsten Bücher über Drachen und Magie überhaupt vorgelegt, und auch ihre »Jagd der Vampire« ist sehr gelungen. Mit dem Zyklus um den Söldner Sonnenwolf, der vom barbarischen Kriegerführer zum empfindsamen Zauberer wird, und seine Gefährtin Sternenfalke hat sie ein Meisterwerk vorgelegt: sword and sorcery der besten Art. (Saarbrücker Studentenzeitung 12/1992)

Dieter Hasselblatt: Zwei in der Unstadt, Igel-Verlag Paderborn, 160 Seiten

Dieter Hasselblatt gehört zu den lebenden Legenden der deutschen Science-Fiction-Szene. Im Bereich Hörspiel ist er einer der bedeutendsten Fachleute; jahrelang war er Hörspielredakteur und –abteilungsleiter. Aber auch als Schaffender hat er die deutsche SF maß-geblich beeinflußt; hat über 20 Hörspiele geschrieben, viele andere produziert, inszeniert oder die Musik dazu geschrieben, obendrein Essays, Sachbücher, Romane, Krimis, Stories, Gedichte, Märchen...

Seine Geschichten waren immer außergewöhnlich, hatten oft etwas Kafkaeskes, ließen mich nie los. Und so ging es mir auch mit seinem neuen Roman. Inzwischen ein nahezu Siebzigjähriger, von Krankheit gezeichnet, ist Hasselblatt immer noch ein Gigant der Sprache.

»Du siehst nicht, was du siehst« – die Geschichte einer Stadt, die den unseren so ähnlich und doch so unähnlich ist, so Utopie und Anti-Utopie zugleich, so an Kafkas Schloß und ebenso an Lems Eden erinnert, mich immer, wenn ich glaube, verstanden zu haben, auflaufen lässt, um mich dann mit eigentlich längst erkannten Weisheiten zu beglücken: »kalkulatorisch phantasievoll fiktional gedacht und erzählt« im besten Sinne, spannend und voller Altersweisheit.

Wie der Wegweiser, der weg weist am Anfang des Romans, Programm ist und irreführend zugleich, sind die (Sprach-)Bilder und philosophischen Ideen oft genial und ihre eigene Parodie – oder die Parodie unserer Wirklichkeiten und Gewißheiten? Wie wünschenswert ist nicht eine Welt, in der durch Spielen gelernt wird und Zwietracht und Einfalt zu Zwiefalt und Eintracht werden? Doch wer braucht einen siebenfaltigen Gott, wer eine Politik, deren Ziel es ist, untüchtige Herrscher möglichst geringen Schaden anrichten zu lassen? Wie der Stadtfremde die Unstadt am Ende verlassen muss, »zerrissen zwischen zugegnem Nichtmehr und ankommendem Nochnicht«, verlasse ich die Geschichte – doch werde ich, im Gegensatz zu ihm, sicher immer wiederkehren.

»Geschichten erzählen lohnt sich immer.«
»Wenn Du verstehen möchtest, was du zunächst nicht verstehst, dann musst du nicht so tun, als dürfte das, was du siehst und verstehen möchtest, nicht das sein, was du siehst. Oder dürfte nicht so sein, wie du es siehst. Du siehst nicht, was du siehst, weil du vorher schon denkst, was deiner Meinung nach sein könnte.«
»Bitte nicht um Verzeihung. Um Verzeihung bitten schubst den, den man um Verzeihung bittet, auf den Sockel des Gnadeübenden, des Milde-walten-Lassenen – bitte nicht um Verzeihung, fang besser an zu verstehen. Und einzusehen, was du anders machen solltest, könntest, müßtest.« (Dieter Hasselblatt: Zwei in der Unstadt)

»Für mich ist SF vor allem Alternative zum Jetzt und Hier und nicht unbedingt Futurum und Weltall. Neinnein, ich mag das gebräuchliche Remmidemmi in den Hinterhöfen der Gaxis gar nicht. Die angloamerikanische SF kann ihre Herkunft aus den 30er Jahren mit ihrer waffenklirrenden euphorischen Rüstungsmentalität einfach nicht abstreifen. Meines Erachtens sollte hier in der von der Literaturliteratur vernachlässigten Domäne des Poetischen kalkulatorisch phantasievoll fiktional gedacht und erzählt werden.« (Dieter Hasselblatt, Privatbrief) (Saarländisches Kultur-Journal 5/1995)

Terry Jones (Hrsg.): Lady Cottington – Mein geheimes Elfenalbum; Gerstenberg Verlag, geb., 64 faksimilierte Seiten mit zahlr. Farbzeichnungen

Ein ausgesprochenes Vergnügen für jeden Elfenfreund ist das Geheime Elfenalbum der Lady Cottington. Diese Elfen haben weitaus mehr mit Waldemar Bonsels Blumenelf aus der Biene Maja zu tun als mit den Elben Tolkiens, den Elfen Lord Dunsanys oder gar den alten Asen oder den davon abstammenden dunklen Elfen Poul Andersons; in ihrer erotischen Bösartigkeit erinnern sie am ehesten an die Elfen in Fosters Bannsängerserie. Für Kenner ist das Buch ein großer Spaß, aber auch Leute, die bisher mit Elfen noch nichts am Hut haben, können sich köstlich darüber amüsieren, besonders über die Bilder. Und die Ausstattung ist fantastisch! (Saarländisches Kultur-Journal 5/1995)

Stephen King: Alpträume – Nightmares and Dreamscapes, Heyne, 462 S., 14,90 DM

»Alpträume« heißt der neueste Sammelband von Stephen King. Über die Qualität vieler Werke des ungekrönten Königs des Grauens und modernen Horrors kann man streiten; dass er in kurzen Geschichten meist besser ist als in seinen Romanen, weiß er wohl selber: »Ich hasse es zu erklären, warum etwas passiert, und meine diesbezüglichen Versuche sind nicht besonders gut. In Kurzgeschichten kann es sich der Autor manchmal noch leisten, zu sagen: ›So ist es passiert. Frag nicht warum.‹ «
Dieser neueste Sammelband – im Deutschen nur der erste Teil des Gesamtbandes, der zweite folgt sicher bald – versammelt neuere Geschichten und ältere, bereits veröffentlichte. Neben Meisterstücken der kleinen Kunst, etwa der bemerkenswerten SF-Story »Das Ende des ganzen Schlamassels«, einer knallharten Vampir- und einer tollen Zombiegeschichte, findet sich auch ziemlich Plattes. Insgesamt kann ich das Buch aber allen Freunden des eher gehobenen Horrors oder von Science Fiction empfehlen. (Saarländisches Kultur-Journal 3/1995)

Dean Koontz: Geschöpfe der Nacht – Roman, Heyne, gebunden, 512 Seiten, 1999

Koontz ist neben Stephen King der wohl erfolgreichste und bekannteste Autor des Horrorgenres – und aus meiner Sicht in vielen seiner Bücher King überlegen. Immer wieder greift er grundlegende Probleme auf, stellt oft moralische und philosophische Fragen, geschickt verwoben und untergebracht in spannenden Geschichten.
Sein Roman »Geschöpfe der Nacht« ist eines seiner bisher überzeugendsten Bücher, wenn auch nicht eines der spannendsten. Der »Held« Christopher Snow leidet an Xeroderma Pigmentosum und kann sich deshalb nur nachts ins Freie wagen. Als sein Vater stirbt, entdeckt er in der wunderschönen Stadt Moonlight Bay Abgründe, die er nie vermutet hätte: Menschen entpuppen sich als tierisch und aggresiv, Tiere als hoch intelligent und manchmal, wie eine die Gegend terrorisierende Affenhorde, als höchst gefährlich. Snow muss erkennen, dass seine verstorbeene Mutter, um für ihn eine Heilung zu finden, eine genetische Büchse der Pandora geöffnet hat, die sich nicht wieder schließen lässt.
Ungemein lakonisch lässt Koontz uns mit seinem Helden teilhaben am Zusammenbruch der Welt, und wenn Snow alleine oder mit seinem besten Freund über Surfen und das Leben philosophiert, erinnert das, wie Koontz' Stil auch sonst immer wieder, an einen der größten phantastischen Schriftsteller, die Amerika hervorgebracht hat, an Roger Zelazny in seinen besten Werken.  Das lässt einen darüber hinwegsehen, dass manches in Koontz' Buch zu leicht vorhersehbar und das Ende etwas schwach ist – vergleichbar einigen Werken Lovecrafts, von denen ein Kritiker mal schrieb, dass mit großem Brimborium eine Flasche Champagner geköpft werde, dann aber nur Selters hervorsprudele. Dennoch ein empfehlenswertes und unterhaltsames Buch.

François Pétis de LaCroix: Tausendundein Tag. Persische Märchen. Aus d. Franz. übersetzt v. Marie-Henriette Müller. Manesse-Verlag. 644 S., 49,90 DM

Wer kennt nicht die Märchen aus »1001 Nacht« – zumindest in der zensierten oder gereinigten Version. Ungefähr zur gleichen Zeit, als diese erstmals in Europa erschienen – Anfang des 18. Jahrhun- derts –, veröffentlichte ein Professor für orientalische Sprachen am Collège Royal in Paris eine Geschichtensammlung mit dem beziehungsreichen Titel »Tausendundein Tag«: Liebesgeschichten, die sich eine kaschmirische Prinzessin erzählen lässt, und die angeblich von einem iranischen Derwisch stammten. In Wirklichkeit war er selbst der Autor und schrieb sie zum Amüsement einer jungen Herzogin. Auch wenn diese Geschichten nie die Bekanntheit der »1001 Nächte« erreichten, hatten sie doch eine enorme Bedeutung als einer der Ausgangspunkte für den Orientmärchenrausch des 18. und 19. Jahrhunderts. In der nun vorliegenden neuen Übersetzung sind sie wirklich ein Lesegenuß, zumal das Buch die von Manesse bekannte hervorragende Ausstattung aufweist. (Saarländisches Kultur-Journal 2/1994)

Jean de La Fontaine: Sämtliche Fabeln, dtv, 608 S., 19,90 DM

»Ses fables ne mourront jamais!«

Diese Prophezeiung von Maucroix, bester Freund von Jean de La Fontaine, hat sich bewahrheitet. Die Fabeln des größten Meisters dieses Genres haben die Beliebtheit der Gattung weit überlebt, und viele sind in popularisierter Form Allgemeingut des bürgerlichen Bildungsgutes geworden. Es gibt einige sehr schöne und gute Aus-gaben – besonders gefällt mir die bibliophile deutsch-französische bei Artemis-Winkler, die ich Ende 1992 vorstellte. Doch so billig wie bei dtv gibt es die Fabeln komplett meines Wissens nirgendwo – und in bester Qualität, ist es doch eine Lizenzausgabe von Winkler und bietet für nur 19,90 DM alle Fabeln in den hervorragenden Übersetzungen von Ernst Dohm und Gustav Fabricius, die berühmten Illustrationen von Grandville (alle 255), eine Zeittafel, Anmerkungen, Literaturhinweise und ein ausführliches Nachwort von Hermann Lindner. Absolut zu empfehlen und ein tolles Geschenk! (Saarländisches Kultur-Journal 3/1995)

Felix Mettler: Made in Afrika, geb., Ammann-Verlag, 298 S.

Ist das nun ein Kriminalroman, ein Science-Fiction-Roman, ein wissenschaftskritisches Buch, ein Spannungsroman über Gentechnologie? Von allem was, doch hinterlässt die Mischung bei mir ein Gefühl der Leere. Ein Wissenschaftler fügt der Gensubstanz eines Gorillas eigene Gensequenzen hinzu, heraus kommt fast so was wie ein Heiliger, der angebetet, aber auch gejagt und mißbraucht wird. Eigentlich ist der Roman ganz spannend, aber er wäre wirklich gut, wenn sich der Autor entscheiden würde. Alle möglichen Aspekte werden angerissen: Ethik, Wissenschaftskritik, Politik, manchmal wird’s satirisch oder gar fast surreal – schade, dass nichts wirklich durchgezogen ist. (Saarländisches Kultur-Journal 2/1995)

Herbert Rosendorfer: Die Goldenen Heiligen oder Columbus entdeckt Europa, dtv, 262 S., 14,90 DM

Satire der bösesten Art – und beste SF

Herbert Rosendorfer, Richter in München, ist einer der produktivsten deutschen Autoren; dies tut aber der Qualität bei ihm keinen Abbruch. Freunde des Studio-Theaters kennen sein Stück »Kellnerin Anni«, in dem Michaela Auinger brilliert. 1992 legte Rosendorfer eine bitterböse Satire vor, die jetzt bei dtv im Taschenbuch erschienen ist – wie schon 20 weitere Bücher von Rosendorfer. Seine »Goldenen Heiligen« überfallen die Erde – oder stolpern über sie, in sie – und gehen mit den Menschen um wie die Europäer einst mit den Indianern – nein, eigentlich viel harmloser. Trotzdem erzählt diese Story der letzte Mensch, denn die Menschen, die sich problemlos hätten wehren können, haben sich praktisch selbst ausgerottet. Das Ozonloch, der steigende Wasserspiegel aufgrund des Treibhauseffektes, die Rohstoffkriege und Flüchtlingsströme, AIDS, die Drogen-Mafia, die eigentlich regiert – das und vieles mehr gibt den Menschen den Rest, und so, wie der Autor sie schildert, haben sie es nicht besser verdient. Alle kriegen ihr Fett weg, die Politiker und Militärs, die Wirt-schaftsbosse und Wissenschaftler, die einfachen Leute und die ach so progressiven, der Kapitalismus, das Wassermannzeitalter und die damit zusammenhängende »neonationalistisch-fundamentalistische Qualle, halb Astrologie oder auch: halb Meditation, halb Müsli«. Einer der besten deutschen Science-Fiction-Romane seit Amerys »Untergang der Stadt Passau« – und einer der amüsantesten dazu. (Saarländisches Kultur-Journal 3/1995)

Matt Ruff: »Fool on the Hill«, dtv, 576 S., 19,90 DM

Die schönste Frau der Welt und ein Narr auf dem Hügel

Fantasy? Ein Märchen? Ein Heldenepos für Freunde von Kobolden, Hunden und Katzen? Eine Shakespeare-Parodie? So ratlos wie der Verfasser des Klappentextes bin auch ich nach der Lektüre von Matt Ruffs »Narr auf dem Hügel«, aber eines weiß ich: Es ist eines der schönsten und besten Bücher, das ich seit Jahren gelesen habe, eines jener Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legt und bei denen man am Ende da sitzt und sehnlichst wünscht, es möchte noch einmal solange weitergehen. Da ist was drin von Tolkien und Ende und Eco, und es ist doch was ganz eigenes. Da trifft die Unendlichkeit den amerikanischen Campus, die Kobolde fliegen mit den Träumen um die Wette, und der große Endkampf entscheidet sich mit Plastikpuppen und Polizistinnen, Rittern und Ratten, Drachen und der schönsten Frau der Welt ganz in unserer und doch außerhalb jeder Zeit. Dramatik, Romantik, Trauer, bittersüßer Humor und feinste Satire vereint dieses 1988 in New York und 1991 bei Hanser erschienene Buch, das dtv dankenswerterweise jetzt als preiswertes Taschenbuch vorgelegt hat. Wer irgend etwas übrig hat für den »Sense of Wonder«, der renne in den nächsten Buchladen und hole ihn sich in Massen, der hole sich dieses Buch! (Saarländisches Kultur-Journal 4/1994)

Salman Rushdie: Harun und das Meer der Geschichten, Kindler-Verlag, 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, DM 34,00

Wer kennt ihn nicht, Salman Rushdie, den Mann, den die Mullahs jagen (lassen) wegen seines Romans Die satanischen Verse (1988). Alle reden über den Autor, vor allem jetzt wieder seit dem Skandal auf der Frankfurter Buchmesse um die Zulassung iranischer Verlage – aber wer hat die Satanischen Verse oder gar frühere Bücher von ihm schon gelesen?

Rushdie (geboren 1947 in Bombay, Studium der Geschichte in Cambridge, Journalist und Schriftsteller) war schon vorher ein bekannter Mann, der gute Bücher geschrieben hatte (u.a. Mitternachtskinder, 1983, und Scham und Schande, 1985). Seit dem Todesurteil hält er sich versteckt, aber er schreibt weiter.

Sein neuestes Buch: Harun and the sea of stories, 1990 in Englisch und jetzt bei Kindler in einer schön aufgemachten Ausgabe auch in Deutsch erschienen: Harun und das Meer der Geschichten.

Das Buch erinnert an Michael Endes Momo: Beide sind vordergründig Märchen – Märchen für (nicht nur) Erwachsene, Parabeln mit Lehrcharakter.

Raschid, dem Geschichtenerzähler, dem »Genie der Phantasie«, dreht jemand oder etwas den Geschichtenhahn ab, aus dem das Erzählwasser floß, und sein Sohn Harun macht sich auf den Weg zum Meer der Geschichten, um den Vater – und nicht nur ihn – zu retten...

Auch Rushdie fühlt(e) sich wohl abgeschnitten vom Wasser der Phantasie, und dass »die traurigste von allen Städten, so todtraurig, dass sie sogar ihren Namen vergessen hatte«, so gar nichts mit unserer realen Welt und seiner Situation zu tun hat, kann man sich kaum vorstellen. Aber Rushdie – wie Harun – gelingt es, das Erzählwasser wieder fließen zu lassen. Von ihm sind sicher noch viele Geschichten zu hören – möge ihm das Erzählwasser nie ausgehen... (Saarländisches Kultur-Journal 4/1991)


»Das Tolkien-Lesebuch«, dtv 11457, 448 Seiten, DM 10,00(!)

»Es ist eine Gabe« sagt Tüftler in Tolkiens Geschichte »Leaf by Niggle« (»Blatt von Tüftler«) – und so sah der große Dichter und Phantast wohl auch seine eigenen Fähigkeiten.

John Ronald Reuel TOLKIEN, kurz J.R.R.T., wäre am 3. Januar 1992 einhundert Jahre alt geworden. Der Oxford-Professor für altes Englisch, der am 2. September 1973 starb, war einer der größten Phantasten der Literaturgeschichte und hat mit der Saga um Mittelerde, die Hobbits, um Elben und Zwerge, um den Zauberer Gandalf und um die drei Ringe einen der größten und schlüssigsten Mythen geschaffen und der Fantasy-Literatur weltweit zum Durchbruch verholfen.

Inzwischen ist Tolkien der wohl erfolgreichste – und nach meiner Meinung beste – Fantasy-Autor der Geschichte, seine Welt Mittelerde hat einem Rollenspiel den Namen gegeben, und »Der Herr der Ringe« wurde sogar verfilmt. Der Zeichentrickfilm von Ralph Bakshi lief im ZDF am 1. Weihnachtstag – für viele Tolkien-Verehrer ein abscheuliches Machwerk, das von der Subtilität und der erzählerischen Großartigkeit des Werkes nichts rüberbringt.

Tolkiens Werk, in dem er eine komplette eigene Welt mit eigener Kosmogonie (im »Silmarillion«), eigener Religion und sogar eigener Sprache*) schafft, bietet viele Aspekte, bis hinein in den politischen Raum, auch wenn er selbst es nie politisch verstanden wissen wollte. Immerhin gingen in den USA 1968 Studenten auf die Straße mit dem Slogan »Gandalf for President«...

Das Haupt-Werk Tolkiens liegt bei Klett-Cotta vor, bei dtv sind »Der kleine Hobbit« – eins der schönsten Kinderbücher überhaupt - und verschiedene Auszüge aus Tolkiens Werk als Taschenbücher erschienen. Neu ist nun das »Tolkien-Lesebuch«: Es bietet für wenig Geld einen Querschnitt aus Tolkiens Werke, aber auch Biographisches und Briefe. Es ist für »Tolkien-Neulinge« ebenso interessant wie für Freaks. Ebenfalls neu bei dtv: die berühmte Tolkien-Biographie von Humphrey Carpenter von 1977, die bisher nur bei Klett-Cotta vorlag.
*) Viele »Fans« – ich auch – haben ein Lexikon davon angefertigt, und ich habe die Tolkien-Runen und Elbenbuchstaben inzwischen auch als Computerzeichensätze erstellt, z. B. für den Atari, wo meine Signum-Zeichensätze ins offizielle Programm aufgenommen wurden, oder als Trutype-Fonts. (Saarländisches Kultur-Journal 1/1992)

»Utopisch ist der ›Herr der Ringe‹ in mancherlei Hinsicht. (...)
Die kleinen Leute... nehmen entscheidende Aufgaben wahr in einer Situation, in der den Weisen und Großen der Atem und der Verstand auszugehen drohen. (...)
So bewältigt der ›Herr der Ringe‹ das Bedürfnis nach Geschichte, das er aufgreift, nicht, aber er gestattet weitgreifende Durchblicke dem, der sich über der Lektüre fremd wird und damit einen Schritt zu sich selbst tut...« (Frankfurter Rundschau 2.9.78)

HÖRBUCH: John Ronald Reuel Tolkien: Der Herr der Ringe. Regie: Bernd Lau; Hörspielfassung: Peter Steinbach; SWF/WDR 1991/92; 30 Folgen und ein Werkstattbericht auf 15 Kassetten oder CDs, ca. 25 Stunden, HÖR-VERLAG

Drei Dinge verbinden Tankred Dorsts »Merlin«, hier an anderer Stelle besprochen, und Tolkiens »Herr der Ringe«: In beiden geht es um mythische Zauberer und Könige, in beiden wird der König – dort Artus, hier Aragorn – von dem phänomenal guten Hans Peter Hallwachs gesprochen, und beide beruhen auf monumentalen Werken. Tolkiens »Herr der Ringe« ist für mich immer noch DAS Meisterwerk der phantastischen Literatur. Während es leider immer noch keine vernünftige filmische Um-setzung gibt, kann die mit 750.000 Mark wohl teuerste Produktion der deutschen Hörspielgeschichte als absolut gelungen bezeichnet werden. Sicher, es gibt ein paar Dinge, über die ein Spezialist und Fan wie ich sich mokieren könnte – ich würde zum Beispiel einige der (behutsamen) Kürzungen anders gestalten, stelle mir die Musik teilweise anders vor –, aber dies sind Kleinigkeiten, über die man genausogut anderer Meinung sein kann und die dem hervorragenden Ge-samteindruck keinen Abbruch tun. Story, Personen und Atmosphäre sind getroffen, und ein Werkstattbericht zum Abschluß gibt einen Einblick in die Vorstellungen der Macher. Diese Produktion kann ich Tolkien-Fans uneingeschränkt empfehlen, und für die, die sein Werk kennen lernen wollen, ohne es zu lesen, kann es kaum einen besseren Einstieg geben. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)

J. R. R. Tolkien & Donald Swann: The Road Goes ever on – Der Tolkien-Liederzyklus, Olav Hille Verlag, 22 x 28 cm, 76 + 12 S., 48,– DM

Lange war er vergriffen, nun liegt er wieder vor: der einzige von Tolkien selbst autorisierte Liederzyklus. Als Faksimiledruck der 1978 erschienenen englischen Ausgabe legt ihn ein Hamburger Verlag vor, ergänzt um ein 12seitiges Heft mit den Übersetzungen der englischen Anmerkungen. Leider hat der Verlag die Kosten oder den Aufwand gescheut, auch die Liedtexte zu übersetzen – nicht jeder kann gut genug englisch, und es ist aufwendig, die Lieder aus den Büchern herauszusuchen. Dies ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich an diesem Buch habe. Die Ausstattung ist gediegen, stabil und sehr edel gemacht, und die Lieder sind mit Originalkaligraphien und Anmerkungen Tolkiens versehen. 6 Texte aus dem »Herrn der Ringe«, einen aus »Tom Bombadil« (Irrfahrt) und einen zusätzlich von Joy Hill verfassten Text hat Swann vertont, der bekannte Liedkomponist, alle mit Klavierbegleitung und Gitarrengriffen, teilweise sogar mit Chorarrangement. Mit Ausnahme von »I sit beside the Fire« ist keines so angelegt, dass es als Lied »von damals« verstanden werden könnte; so komplex singen Hobbits keine Wanderlieder. Nein, es sind – ganz bewußt &endash; Kunstlieder. Wer sie nachsingen will, sollte schon ein bißchen Ahnung von Musik haben und einigermaßen singen können. (Saarländisches Kultur-Journal 6/1994)


Roger Zelazny: 6. – 10. Roman des Amber-Zyklus: Die Trümpfe des jüngsten Gerichts/Das Blut von Amber/Zeichen des Chaos/Ritter der Schatten/Prinz des Chaos – Heyne-Taschenbuch

Der fünfbändige Zyklus um Corwin von Amber von Altmeister Roger Zelazny gehört in der Fantasy zum besten, was sword and sorcery zu bieten haben. Nun liegt die Fortsetzung vor, ein Zyklus um Corwins Sohn Merlin. Während die ersten zwei Bände sich noch ganz gut anlassen – auch wenn Zelazny nie die poetische Dichte und erzählerische Virtuosität erreicht wie in seinen besten Werken –, fallen die nächsten drei Stück für Stück ab. Okay, das ist gutes Handwerk, wie in so vielen seiner mittelmäßigen Romane, aber der Zelazny des »Corwin«, der von der »Insel der Toten« ist das nicht, schon gar nicht mehr ist er der »Herr der Träume« oder der Poet von »Dem Prediger die Rose«. Zu verworren und zugleich durchsichtig ist die Story, manchmal blutleer und zu wenig durchdacht. Am schlimmsten ist der Schluß: Da werden schnell ein paar Fäden zusammengerafft, Corwin taucht kurz und unmotiviert auf, vieles – auch wie es weitergehen soll – bleibt ungeklärt: eine Enttäuschung. Für Corwin-Fans ist dies sicher lesenswert, und es ist immer noch besser als die 08/15-Fantasy, mit der wir überschüttet werden – aber mir tut es leid um die vertane Chance.
Die ersten 5 Bände sind als Sammelband erhältlich: Roger Zelazny: Die Prinzen von Amber – Heyne-Taschenbuch (Saarländisches Kultur-Journal 6/1995)