Warum
mit dem Jahre 2000 NICHT das neue Jahrtausend begann
Auch penetrante Wiederholung macht eine falsche Aussage
nicht richtig!
Immer
wieder kann man bei hören und lesen, der Jahrtausendwechsel habe Anfang
des Jahres 2000 stattgefunden.
Doch
auch, wenn für die Computer mit der 2 in der ersten Stelle eine neue Zeitrechnung
begonnen hat – das neue Jahrtausend (Jahrhundert/Jahrzehnt) begann erst
mit dem 01.01.2001!
Es
gibt nämlich kein Jahr Null. Als der Mönch Dionysius Exigius
im Jahr 532 nach Christus (bzw. nach damaliger Zeitrechnung im Jahre 248 nach
Diokletian) die neue Zeitrchnung propagierte, die sich im Lauf der Jahrhunderte
im Abendland durchsetzen sollte, begann er diese mit dem Jahr von Christi Geburt,
und das war das Jahr eins – damals rechnete man stets inklusive, und die
Null war sowieso praktisch unbekannt. (Dass Dionxysius’ Berechnung des
Geburtsjahres Jesu sehr vage und ungenau ist, ist längst bekannt, für
diese Betrachtung aber kaum relevant.) Das erste Jahr des ersten Jahrtausends
(Jahrhunderts/Jahrzehnts) war also das Jahr 1, nicht etwa ein fiktives Jahr
0, und so war das 10. Jahr das Jahr 10, das 100. Jahr das Jahr 100 usw. – und
so ist eben das 2000. Jahr und damit das letzte dieses Jahrtausends das Jahr
2000 – und nicht das Jahr 1999.
Das neue Jahrtausend beginnt also erst mit dem Jahre 2001!
Das
geben sogar Leute zu, die mit der nächsten Jahreswende ihr Geld verdienen:
»Jawohl, Sie haben natuerlich recht. Aber die Party findet 1999 statt...«
schrieb mir der Service von deutschland2000.de auf eine entsprechende
Anfrage.
Es
gibt dazu nicht nur eindeutige Aussagen von Wissenschaftler/innen und Fachleuten
aller Art, auch rechtlich ist der Jahrtausendbeginn eindeutig geregelt, und
zwar im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft vom 30. November 1994:
»Ein
Jahrtausend ist ein Zeitraum von 10 Jahrhunderten oder 1000 Jahren.
Folglich kann das dritte Jahrtausend erst beginnen, wenn die ersten zweitausend
Jahre der christlichen Zeitrechnung abgelaufen sind.«
Bereits
Ludwig XIV. ließ diese Frage übrigens wissenschaftlich klären,
und die von ihm zu Rate gezogenen Gelehrten kamen einstimmig zum Schluß,
das 18. Jahrhundert beginne am 1.1.1701. Im Mittelalter war dies (wie heute)
scheinbar nicht ganz so klar, wie Walter
Laufenberg 1992 sehr schön beschreibt in seinem empfehlenswerten Ritterroman
»Ritter, Tod und Teufel«:
»Dieses
Jahrhundert ist das letzte, sagte einer dem anderen, wie er es von wieder anderen
gehört hatte. Der Weltuntergang steht unmittelbar bevor. Wohl dem, der
ihn nicht miterleben muss, der das Glück hat, noch vor dem Jahre 1400
zu sterben. [...] Das mit dem letzten Tag des Jahrhunderts erwies sich als nicht
so einfach, wie es sich zunächst anhörte. Wie an jeder Jahrhundertwende
entstand unter den Gelehrten ein großer Streit darüber, ob das Jahr
mit den zwei Neuner am Endedas letzte sei oder das mit den zwei Nullen am Ende.
[...] So kam man auch in Handschuhsheim über Sylvester 1399 ganz gut hinweg,
weil man sich damit beruhigen konnte, dass man ja erst in einem Jahr mit
dem Schlimmsten rechnen müßte. Und man kam schließlich ebensogut
in der 1. Januar 1401 hinein, indem man sich sagte: Der Weltuntergang hätte
letztes Jahr um diese Zeit sein müssen, jetzt ist längst keine Gefahr
mehr.«
(Langen-Müller-Verlag,
1992)