SKJ 4/1994: Kritik: »Orientalische Sommernacht« im Ratskeller

Am 18. Juni veranstaltete die bekannte kurdische Bauchtänzerin Fatima Serin zum zweiten Mal eine »Orientalische Nacht« im Ratskeller Saarbrücken, und wie die erste Veranstaltung war auch die »Sommernacht« restlos ausverkauft. Dies zeigt zum einen, wie beliebt der Orientalische Tanz bei uns geworden ist, zum anderen aber waren auch viele Menschen aus Ländern gekommen, in denen der Bauchtanz heimisch ist.

Fatima setzte diesmal nicht auf viele verschiedene Künstlerinnen, sondern auf nur zwei Tänzerinnen. Dies war eine richtige Entscheidung, da beide dadurch ein weites Spektrum zeigen konnten: Fatima etwa mit einem Stock- und einem Leuchtertanz, der Star des Abends, die weltbekannte Tänzerin Feyrouz, u. a. mit einem wunderschönen Säbeltanz, in dem einfach alles drin war – Akrobatik, Grazie, Kampfeslust – und einem jener Schleiertänze, für die sie mit Recht berühmt ist.

Für die musikalische Umrahmung sorgt die arabische Liveband Al Andalous. Diese besteht aus Musikern in wechselnder Besetzung, die seit Jahren in Deutschland leben und Tänzerinnen begleiten. Die drei Musiker an diesem Abend, alle aus Palästina, agierten nicht immer glücklich: Während der blinde Keyboardspieler und sein Bruder an Tambourin und Trommel das Publikum zu Recht begeisterten, konnte der Trommler nicht immer mithalten und ließ vor allem die Tänzerinnen oft hängen. Trotzdem bot die Band insgesamt ansprechende Musik, und ein Tanz mit Livemusik ist halt schon etwas anderes als einer mit Kassettenbegleitung.

Viele der Zuschauerinnen deckten sich beim orientalischen Basar mit Kostümen oder Accessoires ein, und man sah im Laufe des Abends so manche Schönheit der Nacht in orientalischem Ambiente durch die Räume streifen.

Kurz nach Mitternacht gab es noch einen Auftritt: Die Zuschauer wurden überraschend in die Welt des Übernatürlichen entführt, als Ulrike Schneidewind ihr selbstchoreographiertes »Requiem für einen Vampir« tanzte und damit bei diesem eigentlich auf andere Dinge eingestellten Publikum großen Anklang fand.

Insgesamt ein höchst gelungener Abend, und der Ratskeller bot ein angenehmes Ambiente. Es ist erfreulich, daß er als Veranstaltungsort zumindest bis in den nächsten Mai gesichert ist, und es bleibt zu hoffen, daß es noch mehr Veranstaltungen dieser Art geben wird, die dem Saarbrücker Publikum nicht nur große Künstler und Künstlerinnen bieten, sondern auch auf beste Weise multikulturell sind.