Das Max Ophüls Festival 1997
Die Landeshauptstadt Saarbrücken, Geburtsstadt
des Film-, Theater- und Hörspielregisseurs Max Ophüls, vergab
1997 zum 18. Mal den Max Ophüls Preis für deutschsprachige Nachwuchsregisseure
und Nachwuchsregisseurinnen. Ein ZuschauerInnenrekord und ein insgesamt
gelungenes und ansprchendes Programm konnten nicht darüber hinwegtäuschen,
dass das große Highlight fehlte. Die NachwuchsfilmerInnen sind
professioneller geworden und internationaler, aber ob dies auch immer gut
ist für die inhaltliche Qualität, ob nicht am Ende die Form zu
wichtig wird, ob irgendwann wieder mal Provokationen und Kreativität
die Oberhand gewinnen, muss sich in den nächsten Jahren erst
noch zeigen.
Die Entscheidung für den Hauptpreis ging aber in Ordnung und war obendrein
noch »politisch korrekt«. Der Max Ophüls Preis 1998, dotiert
mit 30.000 DM und ergänzt um eine Verleihförderung von weiteren
30.000 Mark, ging an Zoran Solomun für seinen Film »Müde
Weggefährten«. Der Kroate Solomun erzählt die Geschichte
seines Landmanns, des Deserteurs Dzimi, von dessen langjährigen Exil
und den Menschen, die er dort trifft. Kein großer Film, aber ein
gelungener.
Die Entscheidung, Nadia Fares für den Schweizer Beitrag »Honig
und Asche« (Miel et Cendres) mit dem mit 10.000 DM dotierten Filmpreis
des Saarländischen Ministerpräsidenten (ergänzt um eine
Verleihförderung von 10.000 DM) auszuzeichnen, halte ich, unabhängig
von der unbestreitbaren Qualität des Films, aus prinzipiellen Erwägungen
für falsch; man hätte den Film nicht einmal ins Wettbewerbsprogramm
aufnehmen sollen. Er hätte in die »Perspektiven« gehört.
Denn Internationalisierung des deutsch(sprachig)en Filmes hin oder her
– sich auf die Richtlinien zurückzuziehen, in denen von deutschsprachigen
RegisseurInnen die Rede ist und nicht von deutschsprachigen Filmen, scheint
mir zu einfach. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten
deutschsprachigen FilmemacherInnen mit in Hollywood in Englisch gedrehten
Filmen in den Wettbewerb wollen. Man sollte hier wirklich nur deutschsprachige
Filme zulassen! Meines Erachtens hätte dieser Preis eher einem Film
wie »Lea« von Ivan Fila, der den Publikumspreis gewann, gebührt.
Wer sich vielleicht einmal selbst mit einem Film beteiligen möchte,
findet bei uns die Richtlinien.
Alle Preisträger haben wir ebenfalls aufgeführt.