SKJ 2/1994: Silvia Berlingas-Jilg
Die »Freie Kunstschule Saarlouis« hat sich inzwischen einen
festen Platz in der kulturellen Szene erarbeitet. Anfang Oktober 1993 führte
sie mit »Sssäh la wie« eine Bearbeitung
auf von fünf Geschichten von Wolfdietrich Schnurre, mit denen sie
auch für den Deutschen Literatur-Theater-Preis nominiert ist. Dramatisiert
hatte diese Stücke Silvia Berlingas-Jilg, die auch Regie führte.
Die 1955 geborene Regisseurin, verheiratet, 2 Kinder (10 und 14), arbeitete
nach dem Sprachstudium in Saarbrücken als Übersetzerin. 1982
bis 1985 nahm sie Kurse in Pantomime bei Michael Kreutzer (»Jomi«),
Bewegungstheater bei Gerhard Anthonij und Schauspiel bei Peter Andersonn.
1986 bis 1988 war sie Mitglied der freien Theatergruppe »Asphalt
Companie« unter Leitung von Charlie Bick. 1988 wirkte sie mit bei
»Unterwegs«, einem Projekt von Frank Lion im Auf-trag der Freien
Kunstschule Saarlouis. Sie bildete sich fort bei Beate Potocnik und Bodo
Empt (Schauspiel), Georgo Peugot und Pello (Clown-Theater), Thea Degge
(Commedia dell'arte) und Raimund Schall und Jomi (Pantomime). 1989 erstellte
sie das Manuskript für das Saarbrücker »Schloßgespenst«
zur Eröffnung des Saarbrücker Schlosses und war drei Monate selber
als Gespenst »tätig«. 1990 gründete sie die freien
Theatergruppe »SEC« mit Elfie Rosar und Claus Krisch (Programm:
»Lackschäden«); seither ist sie Leiterin des Kurses »Theaterwerkstatt«
an der Freien Kunstschule Saarlouis.
1991: »Rückblick«, ein Ein-Frau-Stück von Wolfdietrich
Schnurre; Regie und Dramaturgie für »Ansichtssachen«,
ein Pantomime-Programm von Michael Kreutzer »Jomi«;
1992: Regie bei »Knoblauch und Rübchen« für das Stück
»Hallo Xenia!« von Frank Lion;
1993: Mitwirkung bei »Kiosk Fanal« von Frank Lion; Programm
»Café Mélange« (Musik, Schauspiel, Gesang, Zauberei)
im Auftrag der Freien Kunstschule mit Mitarbeitern der Kunstschule.
»Sssäh la wieh«: Der einzige saarländische
Beitrag im Wettbewerb um den Deutschen Literatur-Theater-Preis 1994. Silvia
Bervingas-Jilg hat aus dem Buch »Ich brauch dich« von Wolfdietrich
Schnurre die vier Geschichten »Die rote Nelke«, »Rückblick«,
»Treue« und »Liebe« dramatisiert und inszeniert.
Aus dem Klappentext des Buches: »Ich brauch dich – für mich.
Dies ist das Fazit von 26 Dialogen unter Partnern, die hier mit solcher
Unmittelbarkeit ihre vokalen Zweikämpfe austragen, daß der Leser
sich bald als Ohrenzeuge fühlt. Blitzartig, oft nur in Satzfragmenten,
erhellt der Autor Charaktere und Konflikte, macht Dramatik oder Banalität
hörbar.« Wolfdietrich Schnurre, dem großen Meister des
hintergründigen Humors, wurden hier vier bitterböse Szenen gewidmet,
die eigentlich nur ein Thema haben, die Unfähigkeit des Menschen,
seine Chancen zu ergreifen und die Tragikomik, die sich daraus ergibt.
Nachtrag: Inzwischen spielt Silvia Berlingas-Jilg mehrere Zwei-Personen-
und Ein-Frau-Stücke beim Resonanz-Theater Saarbrücken unter der
Regie von Jürgen Wönne.