Februar 1996: Porträt Charles-Robin Broad (Prof. Lenny Finkensteiner)
Lenny Finkensteiner wurde im Theaterzelt Saarbrücken geboren. Aber
vor 1992 existierte der Künstler unter anderen Alias-Namen wie Tschasbie,
Molotowski oder bürgerlich: Charles Robin Boad.
Robin Boad ist gebürtiger Schotte – aber mit seinen vielseitigen musikalischen
Begabungen geht er überhaupt nicht sparsam um – im Gegenteil, als
ausgebildeter klassischer Tewnor und Pianist hatte er Auftritte in London,
münchen, Salzburg, St. Gallen, Mannheim, Bayreuth, Lübeck, Hagen,
Paris, Tourneen durch Australien und die USA mit Oper, Oratorio und Liederabenden;
außerdem war er als Gesangslehrer, Opernrepetitor sowie Chordirektor
und als Kapellmeister tätig - und eine seiner Lieblingsbeschäftigungen
ist »Einmann-Unterhaltung« – dies beinhaltet »freie Improvisation«,
»kabarettistische Sketches« und »selbstkomponierte Ulkkantaten«,
die er selbst am Klavier begleitet singt und mit mehreren Charakteren einzeln
oder gleichzeitig darstellt.
Bei den Bayreuther Festspielen, genauer beim Orchester- und Chorfest im
Maisel Bierzelt, hatte er angefangen seine klassisch betonten Parodien
mit Chor- und Orchestermitgliedern preiszugeben. In Bayreuth entstand das
»Monster-Konzert für schlechttemperierten Dirigenten, tartarischen
Klaviervirtuosen und Orchester«, »Sayonara Siegfried«
für zwei japanische Giftmischer und Harakiri-Kapelle und auch die
»Gralslegende im amerikanischen Barbershop-Stil«. Beim Lübercker
Altstadtfest und Opernball sowie mit Sylvester-Einlagen an den Bühnen
Lübeck hatte er wieder Gelegenheit, sein »Monster Klavierkonzert«
in Einmann-Fassung und die »Opera for One« oder oder gar sein
»Notengeflecht« auszuprobieren. Die großen Vorbilder
(die er immer kleptomanisch ausgebeutet hat) sind Gerard Hoffnung, Viktor
Borge, Georg Kreisler, Liberace und das Duo Flanders & Swann. Im Werbungszelt
und im Theater St. Arnual ist Lenny Finkensteiners Programm dann theatralisch
»Musica Kleptomania« getauft worden.
Musica Kleptomania
Hauptthematik ist die Kleptomania in der Musik. Humor, Ironie, zwerchfellerschütternde
Zwischenfälle und musikalische Bonmots ergänzen die Pikanterie.
Lenny F. schlüpft (alias Robin B.) in die Rolle eines Professors,
der sich »wissenschaftlich« mit der »Musica Kleptomania«
auseinandersetzt: Sie sei eine häufige Krankheit unter Musikern und
nach Ansicht der Psychoanalytiker Ersatzbefriedigung und Exhibitionismus,
manchmal sogar unappetitliche Offenbarung. An bekannten Melodie-Beispielen
beweist Professor Finkensteiner, daß sich so bekannte Komponisten
wie Beethoven, Wagner und Mozart, aber auch zeitgenössische Musik-Arrangeure
nicht zu schade waren, von anderen abzusahnen.
»Notengefecht« ist eine Mini-Oper. Der Repetitor arbeitet mit
dem Bariton (Escamillo), mit dem dessen Frau ein Tächtelmächtel
angefangen hat. Als ihm klar wird, daß der Mann am Klavier mit seiner
Gattin schläft, entsteht ein blutrünstiges Duell. Lenny Finkensteiner
singt und spielt beide Rivalen und sogar die untreue Frau am Telefon.
Außer dem »Klavierkonzert für alle Jahreszeiten«
(basierend auf dem »Monster-Klavierkonzert«) bei dem alle Hauptthemen
von Tschaikowsky, Grieg und Liszt durcheinandergewürfelt werden und
der Pianist akrobatische Einlagen macht, gibt es u. a. noch eine »Diät-Kantate«,
basierend auf Offenbachs »Menschenfresser Couplets«, ein »Philharmonisches
Hustenkonzert«, von Riccola Kräuter-Bonbons gesponsert, »Das
verschollene Horn« mit Texten aus dem vollständigen Rondo für
Solo-Waldhorn und Orrchester von Mozart und andere musikalische Leckerbissen
wie »Für Elise« (Text auf Beethovens Albumblatt) oder
»Das Triangel« von Georg Kreisler.
»Was Broad so alles aus der Partitur herauskitzelt, ist schon
erstaunlich. Oder wären Sie darauf gekommen, daß es eine Verbindung
zwischen ›ausgerechnet Bananen‹ und Händels ›Halleluja‹ gibt? Auch
darstellerisch und gesanglich begeisterte Broad sein Publikum.« SR
3 Saarlandwelle – Region am Mittag, 5.1.92)