November 1996: 840:6
oder: Wie aus 14 Stunden Drehzeit 6 Minuten Fernsehbericht wurden

Am 21.11.1996 wurde auf S3, dem dritten Fernsehprogramm des Saarländischen Rundfunks in der Sendung »MaG’s« (Magazin Saar) ein 6-minütiger Bericht gesendet über CARMILLA, das vampireske Schauspiel, und dessen AutorInnen Friedhelm Schneidewind und Ulrike Schneidewind (wiederholt am 22.11.1996 und am 06./07.02.1997, mehrfach 1996 im ARD-Mittagsmagazin sowie in Auszügen je drei Mal in »MaG’s« im November 2005 und im Februar 2006).

14 Stunden wurde damals an drei Schauplätzen gedreht – für knapp 6 Minuten Bericht. Hier ein paar Impressionen von den Dreharbeiten.

(verfasst im November 1996; Autor: Friedhelm Schneidewind)
MAG’s (Magazin Saar) ist ein politisches Magazin. Im November hatte man allerdings eine Reihe MystoMag’s aus der Taufe gehoben, in der u.a. über Tischrücken berichtet wurde, Esoterik – und eben Vampirismus und die Menschen im Saarland, die sich damit beschäftigen, sei es wissenschaftlich und literarisch, wie ich es tue, sei es als Spiel, wie bei Carmilla, oder als Publikum.

Besonders hat mich bei den Dreharbeiten die perfekte Teamarbeit beeindruckt. Da gibt es einen, der das Konzept erstellt hat und Regie führt – aber wenn die Szene gedreht wird, tritt er zurück und überlässt Kameramann und Tontechniker das Feld (die Crew bestand nur aus Männern). Jeder erkennt die Kompetenz des anderen an, macht zwar mal Vorschläge, aber akzeptiert dessen Entscheidungen. Mir scheint dies eine typische Art von Arbeitsweise zu sein besonders bei gestalterischen und künstlerischen Berufen. Das Arbeiten mit diesen Fachleuten hat viel Spaß gemacht.

Der Film beginnt auf einem Friedhof. 
Mit Nebelkerzen wurde die richtige Stimmung erzeugt. Eine jüngere Anwohnerin beschwerte sich lautstark über die »Schweinerei« – und der Hausherr, ein älterer Herr, amüsierte sich königlich sowohl über die Dreharbeiten als auch diese »permanente Querulantin«. 
Aus 2 Stunden Aufbau und Dreharbeiten wurden wenige Sekunden im Film: Carmilla, die fauchend an einem Grabstein verweilt, ehe sie ins Studio-Theater huscht – denn »in solchen Nächten braucht sie Blut«. 
Das Blut bekommt Carmilla von ihrem Publikum – zumindest wenn man dem Fernsehbericht Glauben schenken kann –, von den jungen Leuten, die in Scharen aus dem ganzen Saarland ins Studio-Theater strömen, denn »Vampirismus hat Konjunktur«, und »Carmilla ist ihr Idol«. Und sie sind gerne zu Interviews bereit. 

 
Im fertigen Film sieht man weder bei der Pfählung noch bei der Beißszene, wie eng die Filmemacher um die Schauspielerin herumstehen ... 
Auch in der VILLA FLEDERMAUS wurde gedreht. Ganz nahe rückt Kameramann Klaus Popa – der übrigens aus Rumänien stammt, sogar aus Transsilvanien, und in Bistritz geboren wurde, wo DRACULA beginnt – Carmilla auf die Pelle, um zu zeigen, wie sie ihr Fledermaus-Kostüm selbst genäht hat.

 

Regisseur Martin Honnigfort erteilt genaue Anweisungen für die Anprobe, die dann im Film leider nicht vorkommt. 

Und zum Schluß muss auch ich Stellung nehmen, in unserer Bibliothek, zwischen Stapeln von Büchern, an deren Drapierung hier Klaus letzte Hand anlegt. Zitat aus der Sendung: »Eine ganze Bibliothek des Vampirismus hat Friedhelm Schneidewind zusammengetragen.«

 

Mehr Informationen zum Schauspiel CARMILLA gibt es auf Carmillas Homepage.