SKJ 1/1994: Saarbrücker Künstler in Transsilvanien 
»Auf den Spuren der Pfähle und Zähne«

Rumänien leidet nach dem Zusammenbruch des Ostblocks unter erheblichen wirtschaftlichen Problemen. Auch aus dem Saarland werden immer wieder Hilfstransporte organisiert, so z. B. von den Rotariern. Dadurch hatten wir schon Kontakte, als wir uns Mitte Oktober auf eine Reise »auf den Spuren der Pfähle und Zähne« machten, auf den Spuren der Herren Jonathan Harker (Immobilienmakler von Graf Dracula) und Vlad Țepeș (Țepeș = Pfähler) Drăculea (1431 – 76/77), dem vielleicht berühmtesten Fürst der Walachei und sicher einem der grausamsten Herrscher aller Zeiten.

Schon seit langem habe ich mich auseinandergesetzt mit dem Thema Vampirismus, zuletzt in meinem Essay »Dracula lebt« (enthalten in dem Buch »... wie schmelzen deine Blätter«). Von dieser Reise nun brachten wir nicht nur viele Bilder und Eindrücke mit – ganz besonders über die katastrophale wirtschaftliche und vor allem soziale Entwicklung, denn das Land bekommt von unserem hochgelobten Kapitalismus nur das allerschlechteste ab (mehr dazu HIER) - sondern neben einigen Geschichten und Liedern auch ein Theaterstück. Meine Frau und ich schrieben es gemeinsam nach Motiven einer Erzählung von Sheridan LeFanu u. a. im Hotel Dracula auf dem Borgo-Paß und im Geburtshaus von Vlad Țepeș in Sighisoara. »Carmilla« wird am 29. April im Studio-Theater uraufgeführt

Außerdem vertraten wir die Saarländische Kulturszene bei den Siebenbürger Sachsen, was uns u. a. in die deutsche Stunde im rumänischen Fernsehen und in die Zeitung brachte: »Wer in den Festsaal des Hermannstädter Forums gekommen war, kann wohl nicht sagen, welches die Hauptattraktion des Abends gewesen ist, den uns das Saarbrücker Ehepaar dort geboten hat. Waren es die brillant geschriebenen und pointiert vorgetragenen phantastischen Erzählungen, das Essay Dracula lebt!? oder die orientalischen Tänze, die uns Ulrike Schneidewind auf unkomplizierte Weise näher brachte?« (Hermannstädter Zeitung, 12. Nov. 1993).

Höhepunkt war allerdings eine Halloween-Feier bei Vollmond auf Schloß Bran mit Mitarbeitern der amerikanischen, britischen und österreichischen Konsulate von Sofia (Bulgarien), die extra dafür angereist waren – und ein zweistündiges Interview über Vampire mit einem Reporter von »France 3« in historischen Gewändern im eiskalten Burgsaal – echt mittelalterlich!