März 1999
Das neue Programm von Detlev Schönauer

Statt im Stau ganz auf der Höhe:

»VOLLSPERRUNG«

Detlev Schönauer ist inzwischen einer der bekanntesten und beliebtesten Kabarettisten im Saarland, vielleicht steht er sogar an erster Stelle. Mit seinem »Jacques' Bistro« ist er regelmäßig zu Gast in Funk und Fernsehen, es gibt einige Bücher mit seinen gesammelten Werken, und wenn er irgendwo im Saarland auftritt, füllt er jeden noch so großen Saal. Doch wenn man seine Auftritte verfolgt hat als Kabarettist und Schauspieler von den Zeiten des Studio-Theaters und des Ostviertels bis heute, gab es einige bedenkliche Momente; man konnte befürchten, Schönauer ließe sich von seinem Erfolg verführen zur ganz leichten Muse. War er früher ein Kabarettist mit Biss und scharfem Blick, verlor er sich zwischenzeitlich immer mehr in saarspezifischen Kalauern. Doch die Gefahr, zum saarländischen Haus- und Hofkabarettisten zu verkommen, zum Serienhansl auf SR 1, scheint gebannt. War sein letztes Programm, »Sonne, Sand und Melanome«, inhaltlich noch eher dürftig und manchmal etwas langatmig, zeigt er sich in seinem neuen Programm »Vollsperrung«, das im Februar 1999 in der vollbesetzten Dillinger Stadthalle Premiere hatte, von alter Frische und Schärfe. Dabei ist er volkstümlich im besten Sinne, packt das Publikum und reißt es zu Lachstürmen hin, doch da fehlt es auch nicht an Biss und an politischer Kritik. Insgesamt liefert er ein rundes Programm ab, das man nur empfehlen kann.

Die Rahmenhandlung ist simpel: Jacques steht im Stau. »64 Kilometer Stau zwischen Rehlingen und Zweibrücken wegen eines umgestürzten pfälzischen(!) Lastwagens« meldet der SR per Einspielung über den Lautsprecher. Doch Jacques hat es auf einen Parkplatz gepackt, und hier lässt er nun so allerhand Revue passieren: Spielt den »Hilti-Abend« vor, das Pendant zur Tupper-Partie für die saarländischen Heimwerker, präsentiert die Hamburger Emanze, die hinreißend erzählt, wie sie sich ein Kind ganz ohne festen Partner beschafft hat, singt über Autoraser, macht sich über Handyträger lustig und bietet schließlich die erste (?) saarländische Oper, »Die Meistersänger von Karlsberg«.
 

»Ich hab' ja 
gar keinen Mann, 
nee, 
das iss ja 
viel hygienischer!«
Auch wenn Schönauer in dieser Oper so manches verbraten hat, was er im »Trio Toccato«  mit Martin Folz und Michael Fromm in der »Wunderhupe« zeigte, ist es eine tolle Nummer und einer der Höhepunkte. Die Kneipentour der »Königin der Nacht«, die ihren Göttergatterich sucht »in diesen heiligen Hallen, wo man am Büffé steht«, ist eine absolut hinreißende Parodie, ebenso die Arie des Pizzeria-Inhabers und Pizzabäckers Giaccomo (Foto rechts).

Leider vergreift sich Schönauer manchmal im Ton: Seine Tiraden über scharotzende Ausländer und parasitierende Jugendliche sind sowenig komisch wie seine Nummer über den Gangster mit Fußfessel (Foto rechts), der sich auf Staatskosten  ein schönes Leben macht. Hier lässt Schönauer Kritik aus der rechten Ecke los, bei der nicht klar wird, ob das noch Satire sein soll oder ob er es vielleicht sogar so meint.
Und eine alte Schwäche kann er nicht ablegen: Immer wieder ist er etwas zu langatmig, kommt ein Satz zuviel, findet er nicht zu einem packenden, zupackenden Ende. Das wird beim »Hilit-Abend« so deutlich wie bei der satirischen Lob-Rede auf Oskar und das Saarland, eine ansonsten ausgesprochen satirische und witzige Zugabe.
Trotz dieser kleinen Schwächen - und daran wird er sicher arbeiten – ist dieses Programm absolut empfehlenswert. Unser Tip: Ab in die VOLLSPERRUNG!