Der Aberglaube in Rumänien lebt
1993 erzählte mir in Rumänien eine junge Frau, ihre Mutter habe noch wenige Jahre zuvor eine Leiche ausgegraben, um zu schauen, ob es sich um einen Vampir handele. Noch immer ist in Rumänien der Glaube an Vampire und Strigoi, an Werwölfe und Hexen lebendig; der größere Teil zumindest der Landbevölkerung hat ein uns nahezu mittelalterlich anmutendes Weltbild.

Erst kürzlich wurde in einem Dorf in der nordöstlichen Provinz Moldau eine Putzfrau als Hexe entlassen, weil sie ihre Arbeitgeber verwünscht haben soll, so berichtet zumindest dpa. Ihr Besen wurde sichergestellt.
In Izbuc, einem Dorf in den Westkarpaten, soll ein »Werwolf« leben, ein alter Sonderling, der von den Bauern der Gegend mit Milch und Brot versorgt wird. Sie fürchten, er werde sich sonst nachts in einen reißenden Wolf verwandeln. Milch und Brot werden traditionell empfohlen, um Werwölfe zu besänftigen.
Sogar der Abt eines nahen rumänisch-orthodoxen Klosters warnt: »Hier wimmelt es von Werwölfen. In jeder Nacht des Heiligen Andreas (am 30. November) versammeln sie sich auf dem Berg. Noch jedesmal sind wegen ihrer bösen Energien bei uns seltsame Dinge passiert.« Im Kloster von Izbuc wird nur gearbeitet und gebetet. Eine Bibliothek gibt es nicht... Und in der orthodoxen Kirche war der Übergang zwischen Kirchen-Zeremoniell und Aberglaubennicht nur stets fließend, sie hat oft genug davon auch profitiert.

Rumänien ist seit seiner Entstehung als eigenständigen Staat vor ca. 130 Jahren ein Land der krassen Gegensätze; Primitivität und Moderne exitsieren eng nebeneinander. In Timisoara (Temesvar) gab es die erste elektrische Straßenbeleuchtung Europas – heute hat Rumänien eine der höchsten Analphabetismus-Raten in Osteuropa. In ländlichen Gebieten werden Kinder von Laien unterrichtet, weil Lehrer nicht auf dem Land leben wollen. In Bukarest hingegen werden in manchen Kindergärten drei Fremdsprachen unterrichtet. Die Popen, die ihr Geld mit Wahrsageren verdienen, haben das Handy unter der Soutane ...