Erst kürzlich wurde in einem Dorf in der nordöstlichen Provinz
Moldau eine Putzfrau als Hexe entlassen, weil sie ihre Arbeitgeber verwünscht
haben soll, so berichtet zumindest dpa. Ihr Besen wurde sichergestellt.
In Izbuc, einem Dorf in den Westkarpaten, soll ein »Werwolf«
leben, ein alter Sonderling, der von den Bauern der Gegend mit Milch und Brot
versorgt wird. Sie fürchten, er werde sich sonst nachts in einen reißenden
Wolf verwandeln. Milch und Brot werden traditionell empfohlen, um Werwölfe
zu besänftigen.
Sogar der Abt eines nahen rumänisch-orthodoxen Klosters warnt: »Hier
wimmelt es von Werwölfen. In jeder Nacht des Heiligen Andreas (am 30. November)
versammeln sie sich auf dem Berg. Noch jedesmal sind wegen ihrer bösen
Energien bei uns seltsame Dinge passiert.« Im Kloster von Izbuc wird nur
gearbeitet und gebetet. Eine Bibliothek gibt es nicht... Und in der orthodoxen
Kirche war der Übergang zwischen Kirchen-Zeremoniell
und Aberglaubennicht nur stets fließend, sie hat oft genug davon auch
profitiert.
Rumänien ist seit seiner Entstehung als eigenständigen Staat vor ca. 130 Jahren ein Land der krassen Gegensätze; Primitivität und Moderne exitsieren eng nebeneinander. In Timisoara (Temesvar) gab es die erste elektrische Straßenbeleuchtung Europas – heute hat Rumänien eine der höchsten Analphabetismus-Raten in Osteuropa. In ländlichen Gebieten werden Kinder von Laien unterrichtet, weil Lehrer nicht auf dem Land leben wollen. In Bukarest hingegen werden in manchen Kindergärten drei Fremdsprachen unterrichtet. Die Popen, die ihr Geld mit Wahrsageren verdienen, haben das Handy unter der Soutane ...