Endlich einmal eine Kurzfassung, die es auf angenehme Weise ermöglicht, einen Einblick in die Geschichte zu bekommen und wirklich den Inhalt zu erfassen, ohne das Buch lesen zu müssen (da die meisten Filme ja doch sehr davon abweichen). Atmosphärisch sehr dicht und gut gesprochen (u. a. von David Nathan, Torsten Michaelis und Detlef Bierstedt) ist das Buch sehr gut umgesetzt, die Kürzungen sind vertretbar. Nur das Ende kommt sehr schnell, wird zu sehr erzählt und weicht in seinem Erlösungspathos ein wenig von der Vorlage ab. Unter den genannten Bedingungen zu empfehlen; Leuten, die das Buch kennen oder DRACULA wirklich komplett haben wollen, empfehle ich die Fassungen von TITANIA (2007) und UNIVERSAL (2003).
Wie so vieles von TITANIA eine gelungene Produktion,
die sich noch durch eine Besonderheit auszeichnet: Sie nimmt Stoker ernster
als 1897 er (bzw. sein Verleger) sich selbst. Seine Geschichte »Draculas
Gast« nämlich, die auf der berühmten Story »Carmilla«
von Sheridan Le Fanu basiert (Jonathan
Harker entdeckt das Grab der Gräfin), sollte ursprünglich das Einleitungskapitel
für Dracula werden, das Kapitel wurde aber später gestrichen und erst nach Stokers
Tod als eigenständige Geschichte veröffentlicht. Es gibt schon eine
sehr gelungene Lesung (Draculas Gast mit Lutz Riedel), TITANIA legt die Erzählung als Hörspiel vor und
lässt sie als CD 1 vor dem ersten Dracula-Kapitel spielen – sehr
gelungen!
Das Dracula-Hörspiel kann es fast mit den hervorragenden Produktionen von
UNIVERSAL (2003) und dem WDR (aufnehmen. Besonders überzeugend ist Joachim
Höppner (im November 2006 gestorben, Synchronstimme von »Gandalf«)
als Dracula, aber auch Andreas Mannkopff, Petra Barthel, Jürgen Thormann
und die anderen SprecherInnen tragen in Verbindung mit der meist gut passenden
Musik zu einer atmosphärischen dichten Darstellung bei.
Leider stimmt das Tempo nicht immer: In der Mitte sehr ausführlich und wunderschön erzählt, verliert die Produktion gegen Ende ihre epische Breite und rast eher über den Borgopass dem Showdown entgegen, der dann auch ganz schnell über die Bühne gebracht wird ... Hier wäre ein wenig mehr Zeit wünschenswert gewesen. Insgesamt aber eine sehr gelungene Umsetzung und unbedingt hörenswert!
Diese Fassung, bei der Felix von Manteuffel den Dracula gibt und u. a. Jörg Pleva (als Renfield) und Gerd Baltus überzeugen, ist ziemlich gekürzt, gibt aber die Geschichte inhaltlich einigermaßen wieder, Begleitmusik und Geräusche sind überzeugend eingesetzt (darin ähnlich Coppolas Film, von dem auch das Titellogo übernommen wurde). Allerdings finde ich die Kürzungen oft nicht gelungen. Nach einem spannenden und überzeugenden Beginn wird vieles sehr schnell und oberflächlich abgehandelt, so die Fahrt der Demeter, und bei der abschließenden Jagd geht alles viel zu rasant. Anderes dafür ist zu langatmig und relativ spannungslos. Wer nur einen Einblick in die Geschichte bekommen will und ihren Inhalt, ohne das Buch zu lesen, mag sein Vergnügen an diesem Hörspiel finden, ich empfehle dafür aber eher die Fassung von louscherlonge (2007).
Die Süddeutsche Zeitung geriet bei ihrer Rezension dieser Fassung regelrecht ins Schwärmen: sie sei orginalgetreuer als jede Verfilmung (kein Wunder bei mehr als sechs Stunden) und bleibe recht dicht an der Romanvorlage. Ich kann dem nur zustimmen. Atmosphärisch wirkt sich besonders gut aus, dass die Produktion der ersten deutschen Übersetzung folgt, ebenso, dass auf bombastische Musik verzichtet wird, stattdessen gibt es einen dezenten Klangteppich und klassische Musik. Lutz Riedel als Graf Dracula sorgt für das angemessene Gänsehautgefühl, und es kommt keine Minute Langeweile auf. Für mich die beste Umsetzung des Romans in Hörform (auch nach der Titania-Produktion von 2007) und unbedingt zu empfehlen!
Das Hörspiel des WDR hält sich sehr genau an die Vorlage und setzt diese ausgesprochen geschickt und glaubwürdig um. In dieser Bearbeitung gewinnt der Roman eine Qualität, die er als Buch oft nicht hat. Dieses Hörspiel ist spannend, romantisch und unterhaltsam – es ist unbedingt zu empfehlen!