Ein Team vom VAMPYRJOURNAL
hatte die Ausstellung in Frankfurt besucht und zeigte hier lange Fotos
der interessantesten Präparate. Aufgrund einer Vereinbarung mit dem Institut für Plastination
in Heidelberg haben wir die Bilder Ende 2004 wieder vom Netz genommen; aktuelle Blder
und Informationen findet man jeweils auf den Internetseiten zur aktuellen
Ausstellung.
Die Ausstellung KOERPERWELTEN war
von Anfang an umstritten. Immer wieder werden Vorwürfe laut, es handele
sich hierbei um eine Entehrung der Toten, eine Störung der Totenruhe,
Geschäftemacherei auf Kosten missbrauchter Opfer oder gar eine Verschiebung
und Gefährdung sittlicher/ethischer Maßstäbe.
Als religiöser Mensch mag man
dies so sehen; es ist aber gut, dass unsere Gesellschaft frei genug ist,
eine solche Ausstellung zuzulassen. Denn sie hat über den ästhetischen
Reiz hinaus durchaus eine aufklärerische und bildende Funktion.
Nach der Auffassung der Macher, insbesondere
des Leiters und Erfinders der Plastination, Gunther von Hagens, soll die
Ausstellung »aufklären und vor allem dem
medizinischen Laien die Möglichkeit eröffnen, den Körper
und seine Funktionen besser zu verstehen. Sie will helfen, die Natürlichkeit
unseres Körpers wieder ins Bewusstsein zu rufen und eine Vorstellung
von der Individualität und anatomischen Schönheit des Körperinneren
zu gewinnen.«
Nun könnte man einwenden, dies
ließe sich auch mit Modellen erreichen. Die Ausstellungsmacher betonen
jedoch: »Die Echtheit der gezeigten Präparate
ist für den Erkenntnisgewinn ganz wesentlich. Jeder Mensch ist einzigartig.
Nicht nur in seinem sichtbaren Äußeren offenbart er seine Individualität,
auch im Inneren gleicht kein Körper dem anderen. [...] Anhand von
Modellen könnte diese anatomische Individualität niemals vermittelt
werden, denn ein Modell ist Interpretation, ein Modell gleicht dem anderen
und ist zudem meist vereinfacht. Die Echtheit der Präparate hingegen
fasziniert und lässt den Betrachter das Wunderwerk Mensch erfahrbar
machen.«
Ich bin nicht sicher, ob der Erkenntnisgewinn
dadurch wirklich so groß ist. Mir scheint ein anderer Punkt erheblich
bedeutender: Dadurch, dass es sich um echte, ehemals lebende Menschen handelt,
gewinnt das Betrachten eine andere Qualität. Zwar vergisst man dies
in der Regel im Lauf der Zeit (zumindest haben sich mir gegenüber
so mehrere BesucherInnen geäußert), doch wird man immer wieder
überraschend darauf gestoßen (etwa wenn man plötzlich eine
Raucherlunge sieht), dass dies einmal lebende Menschen waren.
Vor allem aber haben mit dieser Ausstellung
medizinische Laien die Möglichkeit, Dinge zu sehen, die sonst (fertigen
oder angehenden) MedizinerInnen vorbehalten waren. Bereits Ende des 13.
Jahrhunderts waren Leichenöffnungen im anatomischen
Unterricht üblich, die erste gerichtsmedizinische Leichenöffnung
wurde am 15. Februar 1302 in Bologna vorgenommen.
Seit Leonardo da Vinci (1452-1519),
der erstmals das Körperinnere exakt und in den richtigen Proportionen
einer breiteren Öffentlichkeit gegenüber darstellte, und Andreas
Vesal (1514-1564) mit seinen öffentlichen Sektionen (Hauptwerk: De
fabrica humai corporis, 1543) hat die Darstellung des menschlichen Körpers
immer mehr an Genauigkeit und Bedeutung gewonnen. Sie blieb jedoch immer
noch auf die medizinische Fachwelt beschränkt. Durch die Körperwelten-Ausstellung
konnten und können nun zahlreiche Menschen unseren Körper in
einer Genauigkeit warnehmen, die vorher unmöglich war.
Wer dies obszön oder verwerflich
findet, möge dann bitte sehr auch alle Filme und Fensehserien verdammen,
die den menschlichen Körper präsentieren, von ANATOMIE bis zur
SCHWARZWALDKLINIK (und dies oft in verfälschter Form). Und wer sich
daran stört, dass Leichen bzw. Plastinate in Aktion dargestellt werden,
sollte die Tradition berücksichtigen: So etwas hat man schon vor Jahrhunderten
getan.
Die Ausstellung KÖRPERWELTEN
führt durchaus didaktisch geschickt aufgebaut durch eine Art dreidimensionales
Lehrbuch, bei dem man sich vom Skelett des Menschen über das Zusammenwirken
mit der Muskulatur, den Eingeweiden, speziellen Nerven- und
Gefäßpräparaten,
bis hin zur Entwicklung des Menschen im Mutterleib ein Bild vom Aufbau
des eigenen Innenlebens machen kann. Auch Präparate mit krankhaften
Veränderungen werden gezeigt, wie etwa Raucherlungen oder Myome der
Gebärmutter. Die Konfrontation mit einem nahen Verwandten, einem Gorilla,
der bis Herbst 2003 im Zoo Hannover gelebt hatte, trug bis Ende Mai 2004
sehr zur Verdeutlichung bei. Dann wurde dieser leider aus der Schau genommen.
Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn hatte von Hagens darum gebeten,
da eine Ausstellung eines geschützten Tieres nur erlaubt sei, »wenn
dadurch den in freier Wildbahn lebenden Tieren geholfen wird«, etwa,
indem man über deren Lebensraum informiere. Von Hagens sieht das zwar
anders und wirft dem Bundesamt »fortgesetztes Behördenmobbing«
vor, entfernte das Plastinat aber aus der Ausstellung, um eine Beschlagnahme
zu verhindern. Aus meiner Sicht hat das Bundesamt hier kleinlich und nicht
nachvollziehbar entschieden.
Das Institut
für Plastination
sowie Erläuterungen zur Technik