DRACULA fluoresciert!

Seit dem 13. Mai 1997 gibt es erstmals fluorescierende Briefmarken bei der britischen Post. Und die Darstellungen sind dem angemessen: Im Dunkeln leuchten und Dracula, Frankenstein sowie Dr. Jekyll/Mr. Hyde und der Hund von Baskerville entgegen. 
Anlaß für die Herausgabe dieser Marken sind der 200. Geburtstag von Mary Shelley, der Autorin von Frankenstein, sowie das 100jährige Jubiläum des Erscheinens des Romans Dracula. 
Damit hat die britische Post sehr schön dem Vampirjahr 1997 ihre Referenz erwiesen – neben Dracula feieren ja auch Carmilla (125 Jahre), Bram Stoker (150. Geburtstag) und »Dracula« Christopher Lee (wird 75) Jubiläen, zumal es ja auch eine direkte Verbindung zwischen  Frankenstein und  den Vampiren gibt: Denn einer der bekanntesten Vampire und mit ihm das Genre des Vampirromans wurde an jenem berühmten Sommerabend des Jahres 1816 geboren, an dem auch der Frankenstein seinen Ursprung hat. Percy Shelley, Lord Byron, Polidori und Mary Goodwin, spätere Mary Shelley, hatten sich am Genfer See in eine Atmosphäre des Unheimlichen versponnen – Mary Shelley beschreibt dies ungeheuer eindrucksvoll in einem Vorwort zu einer späteren Ausgabe ihres Frankenstein (im Film Gothic wird dies eindrucksvoll in Szene gesetzt). Lord Byron schlug eines Abends vor, jeder solle eine Gespenstergeschichte schreiben. Mary Goodwin schuf aufgrund dieser Anregung ihren phantastischen Frankenstein, den viele für den ersten Science-Fiction-Roman halten, Byron den Plan für eine Novelle um einen Vampir.
Der Erfolg des Vampirs als literarische Gestalt ist dann eigentlich der Erfolg eines geistigen Diebstahls: Polidori, der mit seiner Geschichte über eine Frau mit einem Totenschädel nicht weiterkam, fertigte aus Byrons Konzept eine Geschichte, die einen ungeahnten Erfolg hatte: Der Vampyr wurde innerhalb kürzester Zeit in ganz Europa gelesen; schon im Erscheinungsjahr 1819 wurde sie ins Französische und Deutsche übersetzt. Dies lag weniger an der literarischen Qualität als daran, dass Polidori im Vorwort der ersten Ausgabe Byron als Verfasser ausgab, wogegen der sich zwar wehrte, doch nur mit mäßigem Erfolg; in viele Byron-Ausgaben wurde die Geschichte aufgenommen. Außerdem war die Zeit für solch sinistre Heldengestalten einfach reif. Ungewöhnlich für eine Geschichte damals: Das Böse triumphiert, Lord Ruthven, Polidoris Vampir, macht weiter die Erde unsicher. Und auch das Genre Vampirroman als Frucht geistigen, literarischen Vampirismus... 
Die britische Post hätte dies kaum angemessener darstellen können als mit dem Leuchten der Bösewichter im Dunkeln!