Seit 6 Jahrhunderten tobt ein Krieg nichtmenschlicher
Kreaturen, dessen Ursprünge im Dunkel der Vergangenheit liegen und der
mit modernsten Waffen in die Neuzeit getragen wurde. Eine Gruppe mondäner
Vampire unter der Führung des machthungrigen und verräterischen Kraven
(Shane Brolly), unter ihnen die sich cool gebende Kriegerin Selene (Kate Beckinsale),
kämpft gegen die Werwölfe, deren Anführer Lucian (Michael Sheen)
scheinbar brutal Jagd auf alle Blutsauger macht, in Wirklichkeit jedoch vorhat,
den Krieg zu beenden.
Ausgetragen wird der Kampf nicht mit Holzpflöcken
oder Kreuzen, sondern mit Kugeln voll Silbernitrat oder ultraviolettem Licht.
Die Technik ist auch nötig, sind die Vampire doch erstaunlich ohnmächtige
und schwächliche Kreaturen, zumindest gemessen an herkömmlichen Maßstäben.
Sie sind eigentlich nur körperlich besonders fit, aber ohne besondere Fähigkeiten.
Dennoch sind sie überzeugt, kurz vor
dem finalen Sieg in dem Krieg zu stehen. Doch dann gerät ein gewöhnlicher
Mensch zwischen die Fronten. Selene wird Zeugin, als die Werwölfe den Arzt
Michael Corvin (Scott Speedman) scheinbar ohne Grund ins Visier nehmen. Sie
kann Michael vorübergehend in Sicherheit bringen (und verliebt sich natürlich
in ihn), doch kann sie nicht verhindern, dass Michael, ohne es zu wissen eine
Schlüsselfigur in diesem Krieg, von einem Werwolf infiziert wird. Während
der Krieg im Untergrund der Stadt eskaliert, erweckt Selene vor der Zeit
den Vampirfürsten Viktor (Bill Nighy). Als sie die Hintergründe der
Fehde erkennt, ist es fast zu spät.
Debütregisseur Len Wiseman hat eine Art Nonstop-Duell inszeniert mit alten Wesen und Waffen der Moderne, bereichert um eine Romeo-und-Julia-Komponente. Im September 2003 konnte UNDERWORLD den ersten Platz der US-Kinocharts belegen, verständlich nur, wenn man davon ausgeht, dass viele Spiele-Fans in die Kinos gingen.
Sicher wurde der Filmerfolg auch gefördert durch die im Vorfeld stattgefundenen Rechtsstreitigkeiten. White Wolf, die Firma, die die Rechte an »Vampire: The Masquerade« und »Werewolf: The Apocalypse« hält, hatte versucht, den Filmstart zu verhindern mit der Behauptung, die Story beruhe im Wesentlichen auf der »Welt der Dunkelheit«, die sie in diesen und anderen Spielwelten entworfen habe.
Wer kein hartgesottener Fan dieser Spielewelt ist oder nicht unbedingt auf Splatter steht, hätte aber auch nicht viel verpasst, wenn dies geschehen wäre. Der Film hat zwar manchmal ganz amüsante Momente, aber einen großen Teil der Zeit wird gekämpft, ohne dass immer klar ist, wer gerade wenn killen will. Und leider gibt es viele nicht schlüssige Momente.
Die Grundstory ist durchaus ganz interessant (Vampire und Werwölfe als Abkömmlinge eines Urahns und der Versuch, beides zu vereinen), aber so schlecht umgesetzt ... Außer Michael Sheen (Lucian) agieren die DarstellerInnen hölzern und spielen teilweise auf dem Niveau eines Live-Rollenspieles, allen voran Kate Beckinsale, die scheinbar nicht mehr als zwei oder drei Gesichtsausdrücke zustande bringt, ihre Gesichtszüge wirken oft wie gelähmt. Allerdings spielte sie in VAN HELSING noch schlechter ...
Und man darf natürlich nicht anfangen nachzudenken. Warum etwa haben die Werwölfe die nachts hilflosen Vampire nicht längst eines Tages alle gemacht? Wieso ist die herrschende Älteste so schwach, dass sie problemlos von einem Werwolfteam gekillt werden kann, während Viktor bereits nach kurzer Zeit stark genug ist, den besten Werwolfkämpfer mit bloßer Hand zu töten? Wieso haben Polizeiautos in Budapest englische Beschriftungen und die meisten Polizisten englisch ausgesprochene Namen? Von dergleichen Ungereimtheiten gibt es mehr. Schade um eine vertane Chance.