»Wolverine«
Hugh Jackman als VAN HELSING,
unterstützt von »Selene« Kate Beckinsale
Vampirjäger trifft Frankensteins Monster und
Mr. Hyde
Kaum hat Kate Beckinsale als Vampirin
in UNDERWORLD eher enttäuscht, ist sie schon wieder in einem Vampirfilm
zu sehen, in VAN HELSING kämpft sie aber auf der anderen Seite: als Vampirjägerin
Anna Valerious, eine Zigeunerprinzessin, deren Familie seit Generationen hinter
Graf Dracula (Richard Roxbourgh) her ist. Sie unterstützt den Titelhelden
GABRIEL VAN HELSING, der hier nur noch den Nachnamen mit der Figur aus dem Roman
Dracula von Bram Stoker gemein hat. Aus dem 60-jährigen
zwar tyrannischen, aber doch eher zögerlich agierenden Wissenschafler (man
denke nur an die Vernichtung der Vampirinnen, siehe Textauszug)
wird ein Actionheld, ein »Indiana Jones des viktorianischen Zeitalters«
(Cinema 04/2004), den der aus den beiden X-MEN-Filmen bekannte Action-Star
Hugh Jackman als harten und brutalen Monsterjäger im Auftrag der katholischen
Kirche gibt. Jackman, »sowieso nicht gerade mit Charisma gesegnet«
(Stefan Raulf, plan.F 19/2004), sieht seine Figur, bewaffnet u. a. mit einer
maschinengewehrähnlichen Armbrust, als eine Art »Batman des frühen
20. Jahrhunderts« (Hugh Jackman).
Der Film beschränkt sich keineswegs
auf die Vorgaben von Stoker oder der zahlreichen Dracula-Filme.
Dass van Helsing es mit Werwölfen zu tun hat, mit Viktor Frankenstein (Samuel
West) und dem von ihm geschaffenen Monster (Shuler Hensley) und mit einem Mr.
Hyde, der Beziehungen zu einem gewissen Dr. Jekyll hegt (eine unnötige
Einführung), zeigt, dass Regisseur Stephen Sommers (»Die Mumie«,
»Die Mumie 2«) auf dem Weg weiterschreitet, den DIE LIGA DER
AUSSERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN vorgegeben hat. Allerdings gab es das ja auch
schon vorher: 1948 in ABBOTT UND COSTELLO TREFFEN
FRANKENSTEIN.
Die Story ist etwas hanebüchen: Dracula,
den Richard Roxbourgh übertrieben theatralisch gibt, will seine Tausende
von »Kindern«, die in an Alien erinnernde Säcken herumhängen,
beleben und braucht dazu das Monster von Dr. Frankenstein, (guten Doktor hat er
selber dummerweise aus dem Weg geschafft). Solange das Monster sich versteckt,
versucht er es vergeblich mit dem Abzapfen der Energie von Werwölfen. Gabriel,
der sein Gedächtnis verloren hat, kommt im Auftrag des Vatikans gerade rechtzeitig,
um die letzte Überlebende der Familie Valerious vor den drei Vampirbräuten
zu retten; ihr Bruder wurde gerade scheinbar von einem Werwolf getötet. Erstaunlich,
dass diese Anna solange überlebt hat, so dümmlich, wie sie sich anstellt,
und so schlecht, wie sie kämpft (und so schlecht, wie Beckinsale spielt ...).
Unterstützt von Anna und dem Ordensbruder
Carl (David Wenham, Faramir aus »Der Herr der Ringe«), der für
Gabriel das ist, was Q für James Bond darstellt (er schafft sogar eine Art
Sonnenlicht-Bombe), gelingt es Gabriel, sich mit Frankensteins Monster zu verbünden,
die Brut der Vampire zu vernichten und in einem Zweikampf Dracula zu töten,
dies allerdings nur, weil er selbst zum Werwolf wird.
Nach Logik darf man dabei nicht unbedingt fragen:
Wieso kann Dracula Bräute erschaffen (er droht dies Anna an) und hat in der
(sehr schönen) Tanzszene in Budapest, die an den TANZ
DER VAMPIRE angelehnt ist, jede Menge Vampire um sich, muss aber so ein Brimborium
veranstalten, um neue Vampire zu schaffen? Wieso ist van Helsing scheinbar unsterblich
- er war nämlich der, der vor Jahrhunderten Dracula ermordete – und dennoch
so verletzlich? Wer oder was ist er überhaupt, woher kommen seine Fähigkeiten,
und wieso nennt Dracula ihn mehrmals »die linke Hand Gottes«? Wieso
werden die Vampirbräute von Pfählen mal getötet und mal nicht?
Und wieso können die am Tage rumlaufen/-fliegen, Dracula aber muss im Sarg
liegen? Wie konnten die mittelalterlichen Techniker (oder Magier) bewegliche Bilder
und Dimensionstore (oder so was ähnliches) bauen? Und wieso spricht und artikuliert
Frankensteins Monster (das einmal sogar Frankenstein genannt wird!) druckreif
wie ein studierter Philosoph?
Sehr schade sind die verschenkten Szenen: Wenn
z. B. die Sonnenlichtbombe von Carl alle Vampire in Budapest vernichtet (wieso
überleben aber Dracula und seine noch verbliebene Braut?), geht dies so schnell,
dass der ganze Effekt flöten geht. Überhaupt wird soviel auf (schnelle)
Effekte gesetzt, dass vieles davon untergeht. Ab und zu eher störende Slapstick-Elemente
und ein unnötig kitschiges Ende, bei dem die getötete Anna mit ihrer
»erlösten« Familie van Helsing aus dem Himmel zulächelt,
stören immer wieder den Fluss des Films. Über die theologischen Hintergründ
oder Implikationen sollte man gar nicht erst nachdenken ...
Obwohl der Film leider wirklich nur
»ein actionüberladener Monsterreigen« ist (Cinema 06/04), wird
uns »der knackige Vorfahr von Blade, Batman und Bond in einer Person,
[...] [der] eben nur einen weiteren kommerziellen Actionhelden«
verkörpert (Stefan Raulf, plan.F 19/2004), möglicherweise in einer
Fortsetzung wiederbegegnen. Denn am Ende reitet der in seiner körperlichen
Fitness, Härte und Unerbittlichkeit an die Vampirjäger aus BLADE,
Carpenters VAMPIRE oder aus dem Roman DER
KUSS DES VAMPIRS von Whitley Strieber erinnernde van Helsing an der Seite
von Carl in den Sonnenuntergang wie einst John Wayne – Fortsetzung folgt?!